Sicherheitskräfte sprengen Löcher in Außenmauer
Musharraf droht Moschee-Besetzern mit dem Tod

Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat sich erstmals in die Auseinandersetzung mit den in einer Moschee verschanzten Islamisten eingeschaltet und den Extremisten mit dem Tod gedroht.

HB ISLAMABAD. „Ich sage hier und heute: Wenn sie sich nicht ergeben, werden sie getötet“, erklärte Musharraf am Wochenende. Bei einem Vorstoß der Sicherheitskräfte wurde ein Offizier der paramilitärischen Einheiten von den Extremisten erschossen. Ein Vermittlungsversuch von Parlamentsabgeordneten musste wegen ständiger Gefechte abgebrochen werden. „Wir haben viel Geduld an den Tag gelegt“, sagte Musharraf, der das Oberkommando über die Armee innehat, am Samstag. „Wir hätten alles tun können. Die Regierung hat die Macht dazu, aber es geht um Frauen und Kinder.“

Es ist unklar, wie viele Menschen sich noch auf dem seit Dienstag umstellten Gelände der Roten Moschee in Islamabad aufhalten. Angaben beider Seiten zufolge sind es aber noch mehrere Hundert, darunter bis zu 60 schwer bewaffnete Extremisten.

Die Sicherheitskräfte sprengten am Sonntag weitere Löcher in die Außenmauer, um Frauen und Koranschülern eine Flucht zu ermöglichen. Bereits an den vergangenen Tagen hatten aber nur Einzelne das Gelände verlassen, das inzwischen nicht mehr mit Lebensmittel, Wasser oder Gas versorgt wird.

Extremisten-Anführer Abdul Rashid Ghazi bekräftigte in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung die Bereitschaft seiner mit den afghanischen Taliban verbündeten Gruppe zum Märtyrertum.

„Wir glauben fest daran, dass unser Blut eine Revolution auslösen wird“, hieß es in der als Testament betitelten Erklärung. „So Gott will, ist eine islamische Revolution das Schicksal dieser Nation.“ Er warf der mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus zusammenarbeitenen Regierung vor, „Muslime wie Vieh an die Ungläubigen“ auszuliefern.

Ghazi sagte zudem Fernsehsendern, bei den jüngsten Gefechten seien mehr als 300 Menschen getötet worden. Davon seien die meisten Schülerinnen einer der beiden Koranschulen auf dem Gelände. Informationsminister Mohammad Ali Durrani wies die Angaben als Lüge zurück. Krankenhäusern und Behörden zufolge liegt die Zahl der Toten bislang bei 21.

Ghazi und sein am Mittwoch festgenommener Bruder Abdul Aziz haben die Konfrontation mit der Regierung seit Januar Schritt für Schritt verschärft. Die in der Moschee verschanzten Extremisten hatten den Zorn der Obrigkeit ausgelöst, als sie Anfang des Jahres eine Kampagne zur strikten Einführung des islamischen Rechts starteten. Dabei schreckten die religiösen Eiferer auch vor Selbstjustiz nicht zurück: Sie entführten Personen, denen sie Prostitution vorwarfen und schüchterten Ladenbesitzer ein, die westliche Videos feilboten. Zugleich drohten die Islamisten mit Selbstmordanschlägen, sollten die Behörden gegen ihre illegalen Umtriebe vorgehen. Der im Anti-Terrorkampf mit den USA verbündete Präsident zögerte daher lange mit dem Einsatz der Sicherheitskräfte gegen die Extremisten.

Liberale Politiker fordern seit langem ein härteres Durchgreifen gegen die Gruppe, die enge Verbindungen in die Stammesgebiete in der Grenzregion zu Afghanistan unterhält und für die Forderung nach einem Taliban-ähnlichen Staat inzwischen auch in den Großstädten Pakistans Unterstützung findet.

Auch den ganzen Sonntag über waren an der Moschee Schusswechsel zu hören. Wegen der Gefechte konnte eine fünfköpfige Delegation des Parlaments bereits am Samstag nicht bis zu den Extremisten vordringen. Die Sicherheitskräfte erlaubten es nicht, das Gelände zu betreten, sagte die Abgeordnete Samia Raheel Qazi.

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