Sicherheitskreise
Deutscher Botschaftsmitarbeiter im Jemen erschossen

Bewaffnete Angreifer sollen laut jemenitischen Sicherheitskreisen einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft erschossen haben. Die Angreifer seien auf der Flucht. Westliche Diplomaten bestätigten den Angriff.
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Istanbul/SanaaBei einem Überfall in Jemens Hauptstadt Sanaa ist nach Angaben aus lokalen Sicherheitskreisen ein deutscher Botschaftsmitarbeiter erschossen worden. Er soll als Leibwächter für Diplomaten gearbeitet haben. Medien des Landes berichteten, er habe sich am Sonntag gegen eine Entführung gewehrt. „Wir glauben, dass Al-Kaida hinter dem Anschlag steht“, hieß es aus Polizeikreisen. Unklar blieb, ob die Täter die Botschafterin verschleppen wollten.

„Es gab den Versuch einer Entführung von Botschafterin Carola Müller-Holtkemper, als sie aus einem Geschäft in Hadda kam“, hieß es aus westlichen Diplomatenkreisen. Das Auswärtige Amt und die Bundespolizei konnten den Fall zunächst nicht bestätigen. „Das Auswärtige Amt und die Botschaft sind intensiv um Aufklärung des Sachverhalts bemüht“, sagte eine Sprecherin.

Die Angreifer wollten den Deutschen jemenitischen Medienberichten zufolge zunächst vor einem Einkaufszentrum im südlichen Stadtteil Hadda entführen. Als er sich gewehrt habe, sei er getötet worden. Botschaft und Einkaufszentrum befinden sich im selben Stadtviertel. Der Angriffsort wurde zu Ermittlungszwecken abgeriegelt.

Die Zeitung „Yemen Times“ zitierte einen Mitarbeiter des Dschandul-Einkaufszentrums und Augenzeugen. Demnach sollen drei Bewaffnete den Deutschen am Eingang des Supermarktes getötet haben. Nach der Tat seien sie in einem schwarzen Fahrzeug geflüchtet.

Ein Korrespondent des Fernsehsenders Al-Arabija sagte, das eigentliche Ziel des Angriffs sei die deutsche Botschafterin gewesen. Sie sei aber davongekommen. Das jemenitische Außenministerium hat die Berichte einer versuchten Entführung laut der Nachrichtenagentur AFP hingegen dementiert. Die deutsche Botschafterin befinde sich „derzeit“ gar nicht im Jemen. Offenbar sei der Leibwächter der Botschafterin Ziel eines Entführungsversuches gewesen und getötet worden, als es sich gegen die Entführung zur Wehr setzte.

Die deutsche Botschafterin im Jemen, Carola Müller-Holtkemper, hatte erst am 30. September offiziell ihr Amt angetreten. Die 57-Jährige war zuvor Botschafterin in Albanien. Als Botschaftsmitarbeiterin war sie ferner in den arabischen und nordafrikanischen Ländern Jordanien, Ägypten und Marokko tätig.

Die Deutsche Botschaft in Sanaa war erst im August wegen einer akuten Terrorwarnung zwei Wochen geschlossen - auch andere westliche Vertretungen schlossen ihre Pforten. Für den ganzen Jemen gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Im krisengebeutelten Jemen ist die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) aktiv. Westliche Geheimdienste halten sie derzeit für einen der gefährlichsten Ableger des Terrornetzwerkes weltweit.

Im Norden von Sanaa wurde derweil nach Angaben aus Diplomatenkreisen ein Ausländer im Dienste einer Nicht-Regierungsorganisation entführt. Ausländer werden im Jemen immer wieder Opfer von Angriffen und Entführungen. Das Terrornetzwerk Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hält seit März 2012 den saudi-arabischen Vize-Konsul in Aden, Abdullah al-Chalidi, in seiner Gewalt. Auch ein Mitarbeiter der iranischen Botschaft in Aden wurde im Juli entführt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sicherheitskreise: Deutscher Botschaftsmitarbeiter im Jemen erschossen"

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  • "Oder war es schlicht ein Saboteur,der die Frauenquote ad absurdum führen wollte?"

    Natürlich war es so!

  • "Es ist lachhaft, dass das Auswärtige Amt nichts weiss, während bereits die Nachrichtenagenturen darüber berichten. Es ist unverständlich, dass die deutsche Regierung nicht reagiert, wenn eines der schlimmsten Verbrechen begangen wird, die Verletzung der diplomatischen Immunität und Unantastbarkeit."

    Wie sprach schon mein Opa, es ist immer schwerer gutes Personal zu bekommen.
    Ich wünsche mir die Zeiten von "Ben Wisch" zurück, nie wurde in der Außenpolitik soviel diplomatischer Murks gemacht wie die letzten beiden Regierungsperioden mit einer "wirtschaftsliberalen" FDP.
    Die Botschaft im Jemen gehörte schon lange geschlossen, wer unterhält denn diplomatische Beziehungen mit Terroristen?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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