Sie machte den Letten Angst vor dem EU-Beitritt
Ingrida Udre – unter Korruptionsverdacht

Seit Ingrida Udre als Kommissarin für Steuern und Zollunion gekürt wurde, hat sie es verstanden, sich in Riga und Brüssel neue Feinde zu machen. Der lettische Premier Indulis Emsis überraschte die Letten mit ihrer Ernennung. Seine Parteifreundin von der Union der Grünen und Bauern war auf der Europabühne nicht nur unerfahren. Die Volkswirtin hatte im Wahlkampf 2002 den Letten noch Angst vor einem EU-Beitritt gemacht.

Als Parlamentspräsidentin machte sie durch teure Staatsreisen von sich reden, zu denen auch ihr Friseur mitkam. Zudem steht die 45-Jährige im Mittelpunkt eines Parteispendenskandals, der juristisch noch nicht entschieden ist. Seit die frühere Wirtschaftsprüferin 2000 in die Politik ging, klingelte es in der Parteikasse. Der lettische Zweig von Transparency International sieht als Geldquelle die Ölindustrie. Immerhin war Udre beim internationalen Revisionsunternehmen Pricewaterhouse Coopers mitverantwortlich für die Privatisierung des größten Ölhafens des Landes, Ventsspils. Aber Udre wich bisher allen Fragen aus – ob nach den Vorwürfen oder nach ihren EU-Zielen.

Damit machte sich die frühere Basketballspielerin bei den Letten nicht beliebt. Es kursieren Gerüchte, dass sie sich den EU-Job mit kompromittierenden Dossiers erkaufte, die sie als Revisorin sammelte. Auch das Europaparlament konnte sie so nicht überzeugen, es zweifelte an ihrer Integrität. Der Premier steht jetzt weiter zu Udre. Nur die größte Fraktion im Parlament, Neue Ära, drängt auf einen neuen Kandidaten. Ob das doch noch die beliebte amtierende EU-Kommissarin Sandra Kalneite sein kann, ist in Riga offen. Der engagierten Kommissarin bescheinigt nicht nur ihr Lehrmeister, Agrarkommissar Franz Fischler, sich gut einarbeitet zu haben. Die populäre Kunsthistorikerin würde gerne im EU-Metier bleiben. Jetzt kann sie erst einmal ihre Koffer wieder auspacken.

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