Sieben Fragen an: Urs Roth
„Wir fordern für unsere Kunden Vertrauensschutz“

Trotz des gelockerten Bankgeheimnisses wird die Schweiz ein attraktiver Finanzplatz bleiben. Das glaubt zumindest Urs Roth, Geschäftsführer der Schweizerischen Bankiervereinigung. Im Interview spricht er über die Vorteile des schweizer Standorts.

Herr Roth, werden ausländische Kunden jetzt ihr Geld aus der Schweiz abziehen, nachdem das Bankgeheimnis gelockert wurde?

Da nahezu alle Staaten jetzt die globalen OECD-Standards anerkennen, sind die Bedingungen auf den internationalen Finanzplätzen jetzt gleich. Deshalb befürchten wir keine größeren Mittelabflüsse.

Wie will der Finanzplatz Schweiz künftig auf Kundenfang gehen?

Wir haben viele Stärken, die Diskretion ist nur eine davon. Unsere langjährige Kompetenz, die politische Stabilität der Schweiz und die Internationalität des Finanzplatzes sind weitere Vorteile.

Warum hat es so lange gedauert, bis die Schweiz im Steuerstreit eingelenkt hat?

Durch die Finanzkrise ist der Mittelbedarf vieler Staaten dramatisch gestiegen. Daher ist es international nicht mehr akzeptabel, dass sich Bürger ihrer Steuerpflicht entziehen. Wir teilen diese Auffassung.

Gehen Sie davon aus, dass die Schweiz jetzt nicht mehr auf der schwarzen Liste von unkooperativer Steueroasen landet?

Ja, wir haben die Forderungen der G20-Länder erfüllt.

Die Schweiz fordert für ihr Einlenken Gegenleistungen. Welche?

Man darf nicht nur mit dem Finger auf die Schweiz, Luxemburg oder Singapur zeigen. Großbritannien trägt die Verantwortung für die Steuerparadiese auf den Kanalinseln oder in der Karibik. Im US-Staat Delaware kann man anonyme Firmen gründen, bei denen der wirtschaftlich Berechtigte nicht offen gelegt werden muss. Solche Dinge gehören auf den Tisch.

Was muss die Schweiz in den Nachverhandlungen zu den Doppelbesteuerungsabkommen herausholen?

Die Spielregeln für die Erteilung von Auskünften bei Steuerdelikten müssen klar sein. Es darf keine Pauschalanfragen geben. Außerdem muss für unsere Kunden der Vertrauensschutz gelten. Das heißt, die Neuregelung darf nicht rückwirkend gelten. Und schließlich muss der Zugang für unsere Banken auf den Auslandsmärkten verbessert werden.

Will die Schweiz das allein aushandeln?

Nein, wir brauchen eine gemeinsame Strategie aller Länder, die jetzt ihre Standards angepasst haben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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