Siedler protestieren gegen Scharon
Menschenkette als Machtdemonstration

Die jüdischen Siedler sind zornig auf Ariel Scharon. Bislang stand der israelische Ministerpräsident immer auf ihrer Seite. Jetzt will Scharon jüdische Siedlungen im Gaza-Streifen schließen und stellt sich gegen seine früheren Anhänger.

HB TEL AVIV/GAZA. Hand in Hand stimmten Zehntausende um Punkt sieben Uhr abends das „Tikva“-Lied an, die israelische Nationalhymne. Wie aus einer Kehle gaben etwa 130 000 Gegner einer Räumung des Gazastreifens der Hoffnung auf ein Leben in Freiheit im Lande Zion Ausdruck.Die 90 Kilometer lange Menschenkette vom nördlichen Gazastreifen bis zur Klagemauer in Jerusalem wurde am Sonntag zur Machtdemonstration gegen Ministerpräsident Ariel Scharon.

Damit wollten die Siedler ihre Überzeugung anschaulich machen, der Gazastreifen sei untrennbarer Teil des „Landes Israel“. Ein Kommentator der israelischen Zeitung „Jediot Achronot“ sprach am Montag von „einer der beeindruckendsten Demonstrationen, die je von den Abzugsgegnern organisiert wurde“. Je konkreter die Vorbereitungen auf den bis Ende kommenden Jahres geplanten Abzug werden, desto stärker bekommt Scharon massiven Widerstand von rechts zu spüren.

Die Demonstranten - bei weitem nicht alle Siedler - gehörten überwiegend dem national-religiösen Lager an. Diese Gruppierung ist durch ihre typische „Kleiderordnung“ - gehäkelte Kippahs und Schläfenlocken sowie rituelle Hemdfransen für die Männer und fast bodenlange Röcke für die Frauen - leicht zu erkennen.

Mit der Menschenkette wollten die rechtsgerichteten Israelis ihren Widerstand bewusst friedlich zum Ausdruck bringen, in der Hoffnung, eine Mehrheit ihrer Landsleute, die bislang für den Abzug sind, auf ihre Seite zu ziehen. Der israelische Geheimdienst warnt aber, dass sich innerhalb der Rechten ein radikaler harter Kern von mehreren hundert Menschen mit einem schwer kontrollierbaren Gewaltpotenzial formiert hat. Die Warnungen reichen von einem Mordanschlag auf Scharon bis zu einem Anschlag auf dem Tempelberg in Jerusalem mit katastrophalen Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten.

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