Sieg der Hardliner
Soldatenkrise kommt Irans Präsident gelegen

Der Gefangenenkonflikt zwischen Iran und Großbritannien zieht sich hin. Die Regierung in London übt sich in Zurückhaltung, um eine Eskalation zu vermeiden. Tehran provoziert dagegen munter weiter. Dabei profitiert das Mullah-Regime gleich in mehrfacher Hinsicht von dem Streit.

HB TEHERAN. Der Nervenkrieg um die von Iran festgehaltenen britische Marinesoldaten geht weiter: Alle 15 haben nach Angaben des iranischen Staatsradios zugegeben, illegal in die Hoheitsgewässer des Landes eingedrungen zu sein. Zwei der Gefangenen wurden im Fernsehen vorgeführt. „Vollkommen inakzeptabel“, lautete die Reaktion des britischen Außenministeriums.

Doch trotz zahlreicher internationaler Proteste setzt der radikale Flügel unter der Führung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad weiter auf Provokation und Propaganda. Das Ziel ist klar: Ahmadinedschad kann den Streit zu einer Frage des Nationalstolzes machen und kompromissbereite Kräfte einmal mehr für eine schwache Haltung gegenüber dem Westen schelten. Die Krise lenkt zudem von den umstrittenen Ergebnissen der Wirtschaftspolitik Ahmadinedschads ab, für die er zuletzt verstärkt in die Kritik geraten ist. Und schließlich ist Großbritannien als ehemalige imperiale Macht ein leichtes Ziel aufwallender Emotionen.

„Hardliner können das meiste herausschlagen“, meint ein iranischer Experte, der seinen Namen nicht genannt haben wollte. „Sie können sich jetzt hinstellen und sagen. „Haben wir nicht immer gesagt, dass diese Mächte nach jedem Vorwand greifen, um Druck auf uns auszuüben?'“ Ein solcher Triumph über die moderaten Kräfte stärkt der Einschätzung anderer Experten zufolge Ahmadinedschad nicht zuletzt auch im Konflikt um das Atomprogramm und gibt ihm Gelegenheit, die von ihm gepflegte Rolle als Vorkämpfer der islamischen Welt zu polieren.

Die 15 britischen Marineangehörigen wurden vor mehr als einer Woche im Grenzgebiet zwischen Irak und Iran von der Marineeinheit der Revolutionsgarden festgenommen, einer Eliteeinheit außerhalb des iranischen Militärs, in der Ahmadinedschad selbst gedient hat und die als sein sicherster Rückhalt gilt - eine Bastion der Gegner eines politischen Ausgleichs mit dem Westen. Die Regierung wirft den Soldaten vor, die iranische Grenze verletzt zu haben. Großbritannien bestreitet dies und hat die Krise inzwischen auch im Uno-Sicherheitsrat zur Sprache gebracht.

Der Schritt galt als Verschärfung der Gangart, die den Hardlinern in Teheran in die Hände spiele. Die Regierung in London verteidigte ihn mit der Begründung, angesichts der harten Haltung in Teheran sei ihr nichts anderes übrig geblieben. Es ist auffällig, wie wenig in der Krise von mäßigenden Kräften zu hören ist. Das Außenministerium schlug einen versöhnlicheren Ton an und sprach von einer „beidseitig akzeptablen Lösung“, die gefunden werden müsse.

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