Siegesparade
Russland feiert mit Panzern und Raketen

Erstmals seit dem Ende der Sowjetunion hat Russland am Freitag den Sieg über Hitler-Deutschland wieder mit Kampfpanzern und Interkontinentalraketen auf dem Roten Platz in Moskau gefeiert. „Es geht hier nicht um Säbelrasseln", sagte Regierungschef Wladimir Putin.

HB MOSKAU. Der neue Präsident Dmitri Medwedew (42) dankte bei seinem ersten großen Auftritt seit der Ernennung am Mittwoch den Veteranen der Roten Armee für die „Befreiung unseres Volkes“ im Zweiten Weltkrieg.

Unter Verweis auf aktuelle Konflikte forderte er mehr Respekt vor dem geltenden Völkerrecht. Die Streitkräfte fuhren auch die moderne Kurzstreckenrakete Iskander auf, die in Russland als Antwort auf die geplante US-Raketenabwehr in Mitteleuropa präsentiert wird.

Mehr als 8 000 Soldaten marschierten auf dem Platz vor dem Kreml auf, um dem Oberbefehlshaber Medwedew am 63. Jahrestag des Kriegsendes die Verteidigungsbereitschaft der Streitkräfte zu demonstrieren. „Unsere Armee und unsere Flotte kommen wieder zu Kräften, ebenso wie unser ganzes Land“, erklärte Medwedew.

Bei der landesweit vom Staatsfernsehen übertragenen Feierstunde wurde er immer wieder gemeinsam mit seinem Vorgänger Wladimir Putin gezeigt.

Putin, der am Donnerstag als neuer Regierungschef bestätigt worden war, hatte noch als Kremlchef das Militärspektakel angeordnet. „Es geht hier nicht um Säbelrasseln. Wir bedrohen niemanden“, hatte er gesagt.

Regierungsnahe Medien werteten die Waffenschau im Vorfeld dagegen als Reaktion auf die jüngsten Konflikte zwischen Russland und dem Westen an. „Das ist ein Signal an unsere Partner in der Nato, die mit ihren Militärstützpunkten immer näher an Russlands Grenzen heranrücken“, schrieb die Tageszeitung „Iswestija“.

Militärs sprachen auch von einer Drohgebärde gegenüber dem südlichen Nachbarn Georgien. Russland hatte zuletzt in der von Tiflis abtrünnigen Region Abchasien seine Truppen verstärkt.

Nach Einschätzung russischer Militärexperten wurden am Freitag zum allergrößten Teil technisch veraltete Waffen aus den 1970er und 1980er Jahren gezeigt. Zuletzt waren Panzer und anderes schweres Kriegsgerät 1990 zum Jahrestag der Oktoberrevolution über den Roten Platz gerollt.

Mitte der 1990er Jahre wurde die Tradition der Siegesparaden wieder aufgenommen, allerdings nur mit Soldaten und leichten Transportfahrzeugen. Veteranenverbände lobten die Rückkehr zur Siegesparade in sowjetischer Tradition.

Die Kosten für die Parade sind enorm. Allein die von den tonnenschweren Fahrzeugen an Straßen und Kanalisation verursachten Schäden belaufen sich auf umgerechnet 40 Millionen Euro, wie die Moskauer Stadtverwaltung mitteilte.

Auch in Wolgograd, dem einstigen Stalingrad, sowie vielen anderen Städten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wurden Siegesparaden abgehalten. In Wladiwostok am Pazifischen Ozean nahm ein US-Kriegsschiff an den Feiern teil.

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