Siemens-Chef Kaeser in der Kritik
Der nächste Putin-Versteher

Nach Gerhard Schröder und Helmut Schmidt nun auch Joe Kaeser: Der Siemens-Chef zeigt nach seinem Besuch bei Wladimir Putin viel Verständnis für Russland. Unterläuft der Industrieboss die offizielle deutsche Politik?
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Berlin/ MoskauSiemens-Chef Joe Kaeser hat sein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verteidigt. Kaeser sagte am Mittwochabend im „heute-journal“, „dass dieser Besuch schon sehr lange geplant war und wir uns von kurzfristigen Turbulenzen in unserer langfristigen Planung auch nicht übermäßig leiten lassen“. Er betonte, dass das Kanzleramt vorab informiert gewesen sei und keine Einwände erhoben habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor auf die Frage nach Einwänden gegen das Treffen gesagt, dass sie derzeit nichts dagegen habe, wenn deutsche Firmen Kontakte in Russland pflegten. Die SPD stellte sich hinter Kaeser, die Grünen äußerten scharfe Kritik.

Kaeser hatte Putin am Mittwoch besucht und in dessen Residenz am Rande von Moskau  auch den Chef der russischen Eisenbahn, Wladimir Yakunin, getroffen. Yakunin steht auf der Sanktionsliste der USA, seitdem Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektierte. Kaeser hatte dazu im ZDF-„heute journal“ gesagt: „Wir schließen nicht Geschäfte mit Menschen ab, die zufällig ein Unternehmen leiten, sondern mit den Unternehmen als Ganzes. Und da sind Einzelpersonen in aller Regel zweitrangig.“

Auch sonst findet der Siemens-Chef nichts dabei, in der derzeitigen angespannten Lage nach Russland zu reisen und Putin zu treffen. Auf die Frage von ZDF-Moderator Claus Kleber, was er sich dabei gedacht habe, sagte Kaeser, „(…) dass wir uns von kurzfristigen Turbulenzen in unserer langfristigen Planung nicht übermäßig leiten lassen“. Kleber hielt dem Siemens-Chef entgegen, dass „Turbulenzen“ ein Ausdruck sei, der das Vorgehen Russland in der Krim-Krise „künstlich kleinmachen will“. Doch Kaeser konterte den Vorwurf und verwies darauf, dass Siemens schon seit 160 Jahren in Russland sei  und man in dieser Zeit schon „eine ganze Reihe von Herausforderungen „gemeinsam gemeistert“ und „einige Chancen gemeinsam ergriffen“ habe. „Insofern meine ich, ist es gut, wenn man im Dialog bleibt.“

Auch damit, dass er mit seinem Besuch alles konterkariere, was die westliche Welt im Moment versuche an Kulisse aufzubauen, um Putin klarzumachen, dass sein Verhalten nicht toleriert werde und er das ändert sollte, hat Kaeser kein Problem. Er sagt: „Wenn ich die Kommentare so mancher Altbundeskanzler bewerte, fühlt man sich nicht besonders allein. (…)“. Gemeint sind Gerhard Schröder und Helmut Schmidt, die beide Verständnis für Putins Vorgehen in der Krim-Krise geäußert hatten.

Kritik an dem Treffen wies er auch mit dem Hinweis auf eine gemeinsame Weltraummission von Russen und Amerikanern zurück. Für Siemens gehe es „weniger um Kalkül und schon gar nicht um Populismus, sondern darum, dass wir langfristige Beziehungen auch honorieren“.

Kommentare zu " Siemens-Chef Kaeser in der Kritik: Der nächste Putin-Versteher"

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  • @elly

    "Da marschiert Putin mal wieder in ein Land ein und dann wird das von ein paar Spinnern noch entschuldigt!"

    Wovon schwadronieren Sie da rum ? Sind Sie derart hasszerfressen, dass Sie schon nicht mehr merken, was Sie absondern ?
    In WELCHES Land ist Putin einmarschiert ? Und jetzt schwafeln Sie nicht von der Krim. Da gibt es bekanntlich ein Stationierungsabkommen...

  • @cfgauss1777. Sehr guter Beitrag, so sehe ich das auch.

  • Am auffälligsten an dem Interview war der recht unverschämte Ton, in dem Claus Kleber Herrn Kaeser anging.
    Als ob er es mit einem unverschämten Schuljungen zu tun habe.

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