Sierens Welt Zu alt

Für die einen steckt China in der Krise. Andere loben die positive Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Deutschen gehören nicht dazu, meint unser Kolumnist Frank Sieren.
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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.
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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

China hat viele Gesichter, ist ein dämlicher Satz, um eine Kolumne anzufangen. Aber in diesem Fall passt er. Eines dieser Gesichter hat Stephan-Andreas Casdorff, der Chefredakteur des Tagespiegels, kürzlich umrissen: Ai Weiwei erzählt von Willkür im Land und „Gehirnwäsche in den Schulen“. 200 Milliarden Dollar Kapitalflucht; die Lage an den Börsen dramatisch. Inzwischen kommt auch noch die „Währungsmanipulation" des Yuan dazu.  

Das stimmt, geht aber auch anders:  Ai Weiwei versteht, dass der chinesische Staat „vorsichtig ist“ und „respektiert“ das sogar: „Es geht dem Staat um die Sicherheit.“ Die „Kapitalflucht“ ist Teil eines Regierungsprogrammes, um chinesische Unternehmen internationaler werden zu lassen (Stichwort: Neue Seidenstraße). Und die Schanghaier Börse liegt mit dem Dax bei der Wertsteigerung seit Anfang des Jahres gleichauf:  Gut 15 Prozent – wobei man für China schon die besseren Nerven braucht. Und jetzt das große Jammern über Chinas rund vier Prozent Abwertung, nachdem die deutsche Wirtschaft jahrelang von einem 20 Prozent niedrigeren Euro profitiert hat.

Für die einen steckt China in der Krise. Für andere durchlebt China die neue Normalität mit weniger Wachstum einer größeren Volkswirtschaft. Und für wieder andere ist China seit langem und mit großem Abstand das erfolgreichste Schwellenland, der Aufsteiger schlechthin, trotz der gegenwärtigen Konjunkturabschwächung. Den anderen geht es ja noch viel schlimmer. Und alles stimmt irgendwie.

Wofür sich die Autoren entscheiden, hängt vom Image ab, das China jeweils bei ihnen hat. Doch selbst, wenn man das Image durch Umfragen erfasst, ist das Glas je nach Blickwinkel gut halb voll oder fast halb leer. Das jedenfalls erschließt sich aus einer Umfrage des US-amerikanischen PEW Research Centers. Die Forscher haben weltweit 45.435 Menschen in 40 Ländern zu China befragt.

55 Prozent haben eine positive Meinung von China. Die Schlagzeile: Die Welt ist gespalten über China. Oder: Erstmals sieht eine Mehrheit der Weltbevölkerung China positiv.

Auf welchem Kontinent China am besten abschneidet
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