Sierens Welt
Beim Wort nehmen

Ausgerechnet der philippinische Präsident Duterte soll jetzt den Frieden in Asien stabilisieren. Der Westen sollte ihn dabei unterstützen – sich aber nicht als „Hurensohn“ beschimpfen lassen.

Peking„Es macht keinen Sinn, einen Krieg anzufangen. Es ist immer besser zu reden, als sich gegenseitig zu drohen. Wir wollen über Freundschaft reden, über Kooperation und am meisten wollen darüber sprechen, wie die Menschen zu mehr Wohlstand kommen“. Das klingt nach den Worten eines Friedensnobelpreisträgers und nicht gerade banal – mit dem Blick nach Syrien, in den Irak, in den Sudan oder in die Ukraine. Diese Sätze stammen von einem Mann, dem Viele diese Worte weder zutrauen noch abnehmen: Rodrigo Duterte, dem neuen philippinischen Präsidenten. Er gilt nicht zu Unrecht als der Donald Trump Asiens.

Duterte hat seinen Worten auch Taten folgen lassen: Seine erste offizielle Auslandsreise, die er heute beendet, führte ihn nach China; in das Land, mit dem sich Manila in den vergangenen Jahren erbittert um Inseln im Südchinesischen Meer gezankt hat. Nun sind die Streithähne offensichtlich Freunde geworden. „Ehrlich gesagt, wir brauchen Eure Hilfe“, sagt Duterte offen und fügt hinzu: „Wir haben ein Gerichtsurteil. China hat das historische Recht die Inseln zu besitzen. Lass uns darüber eines fernen Tages reden.“ Das ist klug und die Welt hat wohl einen Konfliktherd weniger.

Skeptiker sehen das anders. Ihr Vorwurf lautet politische Naivität gegenüber unberechenbaren Politikern. Dies musste sich einst auch der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher gefallen lassen, angesichts der Reformen von Michael Gorbatschow, dem damaligen Staats- und Parteichef der Sowjetunion. Genschers Antwort im Januar 1987 war bestechend: „Nehmen wir Gorbatschow ernst, nehmen wir ihn beim Wort.“ Er solle seine Reformen selbstbewusst umsetzen. Das ist bis heute eine sinnvollere Politik als in Worst-Case-Szenarien zu erstarren.

Nun nimmt Duterte Peking beim Wort: Milliarden Investitionen in die philippinische Infrastruktur sind versprochen. Die Chinesen waren ja immer schon auf mehr Kooperation statt Konfrontation aus. Das hat Peking aber nicht davon abgehalten, Landebahnen und Häfen auf einige der umstrittenen Inseln zu bauen, ohne sich mit den Nachbarn abzustimmen. Allerdings: Auch Gorbatschow war damals kein Chorknabe.

Wir im Westen sollten nun beide Seiten bei ihrem versöhnlichen Wort nehmen. Das fällt Berlin leichter als Washington. Doch den Amerikanern sei gesagt: Nachbarn sollten ihre Probleme alleine lösen. Kommen sie nicht klar, steht es ihnen frei, wen auch immer um Hilfe zu bitten. Peking hat sich einer Einmischung verweigert. Duterte war noch deutlicher und noch unhöflicher. Das sollten der Westen akzeptieren, ohne dass wir Dutertes zuweilen unflätige Wortwahl billigen müssen. Nein und nochmal nein: Obama darf man nicht als „Hurensohn“ beschimpfen.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

Frank Sieren. Der Bestsellerautor ("Der China-Schock") gilt als einer der führenden Chinakenner.
Frank Sieren
Handelsblatt / Korrespondent China
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