Sierens Welt
Der Schulhof der Weltdiplomatie

Der künftige US-Präsident Donald Trump stichelt bereits vor seiner Amtsübernahme gegen China. Peking reagiert aber vorerst noch mit Augenmaß. Viel interessanter ist ohnehin, was Trump sich nicht zu sagen traute.
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Das kann ja noch heiter werden mit Donald Trump und China im kommenden Jahr. Der Twitter-Clinch von dieser Woche hat den Ton gesetzt. Er hätte so auch auf einem Schulhof stattfinden können. Halbstarke unter sich: Der Anführer der einen Clique will Eindruck bei seinen Jungs schinden. Deshalb macht er auf guten Kumpel mit einem Mädel, das sich schon lange mit seinem Rivalen streitet. Man sieht gerade zu, wie die einen grölen und die anderen vor Wut kochen.

Anfangs war das Großmaul der Gang noch ganz originell: „Interessant, dass die USA Militärmaterial im Wert von Milliarden von Dollar an Taiwan verkaufen, aber ich deren Gratulationsanruf nicht annehmen soll“, twitterte Trump. Zuvor spricht er von „Präsidentin Tsai“. Dies lässt sich durchaus so feststellen, und die politisch korrekte Reaktion kann sogar lauten: Warum eigentlich nicht, solange klar ist, dass es sich nicht um die Präsidentin eines souveränen Landes handelt.

Viel interessanter ist jedoch, was Trump sich nicht zu sagen traute. So etwas wie: Es ist ganz normal, dass die Präsidentin eines souveränen Landes dem gewählten Präsidenten eines anderen Landes gratuliert. Das war jedoch selbst Trump zu riskant. Eine Provokation mit kurzen Beinen musste genügen. Selbst die taiwanesische Präsidentin fühlte sich inzwischen bemüßigt zu betonen, dass Trumps Anruf keine Änderung der Ein-China-Politik der USA bedeute.

Trump legte zwar noch nach. Doch er motivierte nur noch seine treuesten Gefolgsleute, sich auf die Schenkel zu schlagen. „Hat China uns gefragt, ob es in Ordnung war, seine Währung abzuwerten, unsere Produkte in ihr Land mit hohen Zöllen zu belegen und einen massiven Militärkomplex mitten ins Südchinesische Meer zu setzen? Ich glaube nicht!“

Darauf könnte Peking leicht parieren: Haben die USA jemals irgendwann gefragt, wenn sie den Kurs ihrer Währung manipulieren? (Zum Beispiel, indem sie Geld drucken). Schützen die Amerikaner ihre Industrie nicht auch mit Zöllen? Und haben die USA irgendjemanden um Erlaubnis gefragt, als sie 2003 in den Irak einmarschiert sind? Dreimal sicher nein.

Trump wird sich mehr einfallen lassen müssen, will er von Peking ernst genommen werden und von Brüssel oder Berlin – nur London mag seine Rhetorik in der Brexit-Not genügen. Peking jedenfalls hat sich nicht provozieren lassen. Das ist allerdings neu. Bei Themen wie Taiwan, Tibet und Südchinesisches Meer hat Peking bisher schon beim kleinsten Pieps mit der großen rhetorischen Dampframme reagiert. Nun überwiegen Gelassenheit und Mäßigung: Das sei ein „läppischer Trick“ und vor allem „Unerfahrenheit“. Hat der spät pubertierende Trump Peking ein Stück erwachsener gemacht? Es bleibt spannend auf dem Schulhof der Weltdiplomatie.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Frank Sieren. Der Bestsellerautor ("Der China-Schock") gilt als einer der führenden Chinakenner.
Frank Sieren
Handelsblatt / Korrespondent China

Kommentare zu " Sierens Welt: Der Schulhof der Weltdiplomatie"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

  • Der Dampframmen-Vergleich ist aber schön: ja, bisher hat China so reagiert. Und wenn man den größten Willen und die größte Dampframme hat, macht man das auch gerne....


    Wenn die Ramme des anderen aber das deutlich höhere Kaliber hat, der Rammenführer den Spitznamen "mad dog" hat, dann überlebt man sich vielleicht zweimal ob man damit anfängt...

    Bei aller Bewunderung für den chinesischen Aufbau muss man schon sagen, dass die Versorgung der chinesischen Megacities ein logistischer Alptraum ist, zum Krieg führen eignet sich das nicht wirklich...

    Es bleibt also bei 1 China, mit Tibet, ohne Taiwan und ohne süd-chinesisches Meer (das im übrigen sehr viel näher an anderen Staaten liegt, als an China, auch wenn es so heisst)

  • Naja, da ist nicht nur viel Interpretation über die chinesische Regierung, sondern auch noch viel Interpretation über Trump enthalten.

    Neben den Unwägbarkeiten und auch nicht logischen Ansätzen der internationalen Politik, muss man doch eines feststellen: Chinas Regime ist erfolgreich geworden, weil in einer sehr seltsamen Koalition der KP mit den Wall-Street-Bankern ein Heer von billigen Arbeitskräften zur Verfügung gestellt wurde. Damit ist Chinas Wirtschaft von der amerikanischen abhängig, ohne sie, ist sie so lebensfähig wie alle Planwirtschaften. Aktuell haben also beide Seiten etwas zu verlieren (und beide Seiten profitieren von derselben Geld-Druck-Maschine), es sei denn das System kollabiert sowieso, in dem Moment ist es egal (bzw. wenn man von dieser Art der Wirtschaft wegkommen will, was man muss, da sie instabil ist).

    Beim Thema Irak 2003 ist es so, dass es eine gültige (wenn auch zu diesem Zeitpunkt bereits alte) UN Resolution gab (mit dem Zauberwort "all means"), die Saddam zur Kooperation verpflichtete und niemand hat ihm das wirklich attestiert.

    Also was bleibt: wenn Große keinen anderen fragen, dann kann ja China niemanden fragen und eine 1 China-Politik betreiben, aber die anderen eben eine Politik eines souveränen Taiwans verfolgen... dann stellt sich die Frage wer es zuletzt wirklich wissen will. Vielleicht ist China ja lieber, einen Status quo bei Taiwan zu erhalten, dafür aber die Expansion ins süd-chinesische Meer zu unterlassen? Meine Einschätzung: Trump hat China signalisiert: wenn ihr versucht zu expandieren, dann könnt ihr auch verlieren... ihr habt auch etwas zu verlieren

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