Sierens Welt
Die letzten Mohikaner

China hat die Videospielkonsolen erlaubt. Wie die Chinesen mit solchen Verboten umgegangen sind, sollten sich die Kader genau anschauen, meint unser China-Korrespondent Frank Sieren.  

PekingIch wollte das erst gar nicht glauben. Seit 15 Jahren sind Videospielkonsolen in China verboten. Doch überall spielen chinesische Jugendliche wie verrückt. China ist der größte Videogame Markt der Welt. Die Jugendlichen sind einfach auf Smartphones oder Desktops ausgewichen.

Sie haben das Verbot untergraben, ohne sich groß darüber Gedanken zu machen. Jetzt haben sie sich durchgesetzt. Das Verbot wurde aufgehoben. Microsofts Xbox, Sonys PlayStation und Nintendos Wii können nun in China hergestellt und verkauft werden. Bald werden sie chinesische Wettbewerber bekommen. Damit ist eines der letzten in China verbotenen Produkte nun auch in der Marktwirtschaft angekommen. Womöglich sogar das letzte.

Die Debatte über das Verbot verlief eigentlich nicht viel anders als im Westen: Wie sehr muss der Staat eingreifen, um die Kinder zu schützen?, lautete die Frage. Das Ergebnis war allerdings ein Verbot, undenkbar im Westen. Eine automatische Altersverifikation, die von den Eltern eingestellt werden kann, muss reichen.

Mit dem Ende des Verbotes geht 70 Jahre nach Kriegsende, ein zentraler Bestandteil des Staatssozialismus klammheimlich zu Ende. Selbst die Kommunistische Partei Chinas entscheidet nun nicht mehr, was die Menschen konsumieren sollen. Nur in politischen Fragen hält sie noch weiterhin den Daumen drauf.

In der Sowjetunion, in der späten DDR und selbst im sich öffnenden China der 80er- und der frühen 90er-Jahre war das auch für Konsumprodukte noch gang und gäbe. Offiziell wurde es damit begründet, dass man seine Bürger von dem kapitalistischen Konsumterror bewahren möchte. Tatsächlich jedoch konnte sich der Staatssozialismus diese Produktvielfalt gar nicht leisten.

Im China Ende der 90er-Jahre ging es jedoch schon nicht mehr um die Frage, ob man sich diese Produkte leisten kann oder nicht, sondern schon darum, wie man den Konsumenten vor sich selbst schützt. Allerdings wurde diese Frage in den allermeisten Bereichen, vom marktwirtschaftlichen Wettbewerb hinweggefegt. Umso verrückter ist es, dass sich das Verbot der Konsolen so lange halten konnte. Womöglich, weil die Argumente dagegen so falsch nicht waren.

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