Sierens Welt
Eigentor mit U-Booten

Australien will U-Boote kaufen, unter anderem um China besser zu kontrollieren. Doch ausgerechnet die Chinesen helfen den Deutschen dabei, den lukrativen Auftrag zu ergattern. Weil China noch einen größeren Gegner hat.
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PekingDie Globalisierung treibt seltsame Blüten. Diesmal geht es um U-Boote, Australien, China, Japan und die USA. China und Australien streiten sich um Grenzen im Südchinesischen Meer. Australien steht dabei Seite an Seite mit den USA und Japan. Canberra will neue U-Boote kaufen, auch, um die Aktivitäten der Chinesen besser überwachen zu können. Ein 50 Milliarden Dollar-Auftrag. Die Deutschen, die Franzosen und die Japaner bieten mit. Die Waffensysteme kommen in jedem Fall aus den USA.

Politisch war die Lage eigentlich klar: Der Auftrag geht an Japan, den alliierten Nachbarn. Das passt auch den USA, die aber auch nichts gegen die Deutschen haben. Wären da nicht die Chinesen. Und würden nicht 30 Prozent der australischen Exporte nach China gehen und Premierminister Malcolm Turnbull nicht ausgerechnet diese Woche einer 1000 (!) köpfigen Delegation durch China reisen, um neue Milliardengeschäfte abzuschließen.

Insofern ist es wichtig, was die Chinesen wollen, obwohl Australien die Boote auch wegen ihnen kauft. Peking wiederum freut sich, dass die Australier China den Hof machen, sonst hätte Peking nicht diese Woche die „australische Woche“ in China ausgerufen.

Was die U-Boote betrifft hat Peking eine klare Haltung. Unter keinen Umständen darf Japan den Auftrag bekommen. Das hat der Außenminister Wang Yi schon öffentlich betont. Diese Position hat sich im Laufe dieser Woche noch gefestigt: Am vergangenen Wochenende haben sich die Außenminister der G7 Länder in Tokio getroffen und China wegen seiner Aktivitäten im Südchinesischen Meer kritisiert. Und sie sind, wen wundert es, zu dem Ergebnis gekommen, dass man China deutlicher Paroli bieten sollte.

Ohne China zu erwähnen, lehnten die G7-Minister „einschüchternde, zwangsweise oder provokativ einseitige Maßnahmen“ ab, die den Status quo verändern könnten. Peking hat sich geärgert und den Rädelsführer gleich ausgemacht: Tokio. Der japanische Botschafter wurde umgehend ins Außenministerium einbestellt. Von den anderen G7 Ländern mussten nur die Stellvertreter antanzen.

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  • 'Realpolitik' ist doch ein deutsches Wort, oder etwa nicht?

  • Ich bin absolut davon überzeugt, dass viel mehr Entscheidungen von geopolitischer Tragweite als wir zu ahnen wagen, tatsächlich auf genau diesem "Kindergarten"-Niveau gefällt werden. Und deshalb ist es auch richtig, das Procedere genauso amüsant und gleichzeitig entlarvend zu beschreiben, wie es auch ist.

  • Ihr Artikel erinnert mich an meine Praktikumszeit im Kindergarten, genauer: an die "Spielchen" gerade untereinander verfeindeter Cliquen kleiner Mädchen.

    Nur schade, dass es sich hier leider um keinen Kindergarten, sondern um ein (tod)ernstes Spiel unter "erwachsenen Männern" handelt, und es obendrein allein Sache der Zuschauer ist, mit seinem Ergebnis und den Folgen klarzukommen. Auch wenn die daran überhaupt kein Interesse haben.

    Wäre es anders, könnte man sich über Ihren Artikel noch viel unbeschwerter köstlich amüsieren.

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