Sierens Welt Ein Philippino wirbelt die Weltpolitik durcheinander

Ein Provinzpolitiker mit großen Klappe regiert die Philippinen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit überrascht er mit unkonventionellen Ideen, welche die chinesisch-amerikanischen Beziehungen grundlegend verändern könnten.
Der Politiker provoziert mit deftigen Sprüchen und überrascht nun mit ungewöhnlichen Vorschlägen in der Außenpolitik. Quelle: AFP
Rodrigo Duterte, neuer Präsident der Philippinen

Der Politiker provoziert mit deftigen Sprüchen und überrascht nun mit ungewöhnlichen Vorschlägen in der Außenpolitik.

(Foto: AFP)

PekingKennen Sie einen Mann mit Spitznamen Duterte Harry? Diesen Dirty-Harry-Verschnitt sollten Sie sich merken. Wie die von Clint Eastwood gespielte Filmfigur ist Duterte bekannt für seine unkonventionellen, aber sehr effektiven Methoden. Nur, dass Duterte keine Kunstfigur ist, sondern der 71-jährige Bürgermeister der philippinischen Stadt Davao.

Eigentlich heißt er Rodrigo Duterte und er hat eine große Klappe: Vor ein paar Monaten noch hat er den Papst einen „Hurensohn“ genannt, weil er wegen des Besuches seiner Heiligkeit im Stau stehen musste. Nun müssen andere wegen ihm im Stau stehen: Duterte ist der neue Präsident der Philippinen.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.
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Das allein ist noch kein Grund, sich seinen Namen zu merken. Doch noch nicht einmal im Amt fummelt der Donald Trump im Schwellenlandformat schon mal in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen herum. Und zwar an einem der gefährlichsten Krisenherde zwischen der aufsteigenden und der absteigenden Weltmacht: dem Streit um Inseln im Südchinesischen Meer. Erstaunlicherweise mit einem Pragmatismus, der seinem Land eher nutzen denn schaden könnte.

Sein Vorgänger Benigno Aquino III ging mit den Amerikanern auf Konfrontationskurs zu China – vor allem, nachdem Peking 2012 die Scarborough-Untiefen für sich beansprucht hat, auf die auch Manila Rechte erhebt. Aquino hat daraufhin einen neuen Verteidigungspakt mit den USA geschlossen. Er erlaubte den Amerikanern zwar keine neue Militärbasis, jedoch mehr US-Truppen und Waffen auf den Philippinen. Die gemeinsamen Manöver nahmen zu. Und Manila hat wie von Washington gewünscht einen direkten Dialog mit China abgelehnt und Peking beim Uno-Gerichtshof in Den Haag angeklagt.

Das ist nun offensichtlich Geschichte. Anfang der Woche zeigte sich Duterte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt mit den Vertretern seiner mächtigsten Nachbarn Japan, China und erstaunlicherweise auch Israel. Mit den Amerikanern will er erst einmal nicht sprechen: „Ich fühle mich noch nicht wohl dabei.“ Duterte hält wie Peking nichts vom Internationalen Gerichtshof, sondern will die Probleme in direkten Gesprächen mit China lösen. „Wenn die Tür noch offen ist, sollten wir reden.“

Seine Verhandlungsposition zu den umstrittenen Seegebieten ist die eines Realpolitikers: „Wollt ihr die Bodenschätze ausbeuten? Lasst es uns gemeinsam tun. Wir bestehen nicht darauf, dass dies unser Gebiet ist und ihr auch nicht.“ Das ist zumindest ein Ausgangspunkt.

Der Pöbel-Präsident der Philippinen
Philippinischer Wahlsieger
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Mit markigen Statements und dem Ruf eines gnadenlosen Law-and-Order-Politiker hat Rodrigo Duterte im Mai die Wahl zum philippinischen Präsidenten gewonnen. Obwohl er schon im Wahlkampf immer wieder mit Entgleisungen aufgefallen war, war sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Mar Roxas groß: Insgesamt gaben 14,4 Millionen Philippiner Duterte ihre Stimme, Roxas kam nur auf 8,6 Millionen Wähler. In der Welt genießt der neue Präsident bereits wenige Monate nach seiner Wahl den Ruf eines philippinischen Donald Trump. Eine Auswahl seiner seltsamsten Sprüche.

„Fickt euch“
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„Fickt euch“ kommentierte der 71-Jährige Rodrigo Duterte eine Resolution des EU-Parlaments vom 15. September. Darin äußern sich die Parlamentarier besorgt über die hohe Zahl von Drogenverdächtigen, die seit Dutertes Amtsantritt in Polizeigewahrsam umgekommen sind. Sie ermahnen die Regierung Dutertes, die Menschenrechte einzuhalten und fordern eine Untersuchung der Todesfälle. Duterte ist mit einem kompromisslosen Anti-Drogen-Programm angetreten und hat Dealern offen mit dem Tod gedroht.

„Entweder tötet ihr mich oder ich werde euch töten“
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„Alle unter euch, die auf Drogen stehen, ihr Hurensöhne, ich werde euch wirklich töten“, rief Duterte jubelnden Anhängern in Manila zu. „Ich habe keine Geduld, ich habe keinen Mittelweg, entweder Ihr tötet mich oder ich werde Euch töten, ihr Idioten.“ In der Bevölkerung kommen solche Sprüche gut an, der ehemalige Bürgermeister von Davao erwarb sich dadurch den Spitznamen „Duterte Harry“, ein Verweis auf die Filmfigur „Dirty Harry“. Das Foto zeigt Clint Eastwood, der den „Dirty Harry“ spielte.

„Wenn ich Präsident werde, wird es blutig“
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inIm Wahlkampf kündigte Duterte eine harte Hand gegen Kriminalität an. In der Millionenstadt Davao, wo der 71-Jährige Bürgermeister war, wurden in den vergangenen 18 Jahren mehr als 1400 Kleinkriminelle umgebracht, ohne dass je ein Täter vor Gericht kam. Nach Angaben von Menschenrechtlern waren Todesschwadronen am Werk, die ohne Rückendeckung des Bürgermeisters nicht hätten agieren können.

„Zisch ab, Du Hurensohn“
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Mit diesem Spruch bedachte Duterte Papst Franziskus, weil er bei dessen Besuch in Manila im vergangenen Jahr einmal fünf Stunden im Verkehrsstau steckte.

„Ich war total sauer, dass sie vergewaltigt wurde, aber sie war wunderschön. Ich dachte, als Bürgermeister hätte ich als erster dran sein sollen.“
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Das sagte Duterte über den Fall einer australischen Missionarin, die in seiner Heimatstadt Davao vor Jahren mehrfach vergewaltigt und ermordet worden war. Das Statement sorgte für heftige Kritik – tat der großen Popularität Dutertes aber keinen Abbruch.

„Haltet die Klappe, meinetwegen könnt ihr die diplomatischen Beziehungen abbrechen“
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So fuhr Duterte die australische Botschafterin und den Top-US-Diplomaten in Manila an, die ihn für seine Aussage zu der vergewaltigten Missionarin kritisiert hatten.

Duterte ist die wirtschaftliche Prosperität seines Landes wichtiger als riskante und aussichtslose internationale Streitigkeiten und ein Schulterschluss mit der Weltmacht USA. „Wir können uns keinen Krieg leisten“, sagt er. Wenn Peking Autobahnen und Schnellzüge für sein Land baue und finanziere, dann „können sie gerne eines unserer Korallenriffe haben“. Das gerade überraschend abgewählte politische und wirtschaftliche Establishment um die Familie Aquino kocht vor Wut. Hinter den Kulissen lassen sie derzeit verbreiten, Duterte habe von chinesischen Geschäftsleuten Wahlkampfhilfen bekommen.

Und wenn schon: Die Welt hätte einen großen Gefahrenherd weniger und ein prosperierendes Land mehr, wenn der pragmatische Kurs des philippinischen Präsidenten aufgeht. Dazu muss Duterte Harry allerdings erst einmal halten, was er verspricht.

Unser Kolumnist, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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