Sierens Welt
Ein schelmisches Lächeln

Die Griechenland-Krise gibt dem chinesischen Premier Li den Raum, eine andere Europapolitik als Brüssel zu machen. Weshalb Peking vor allem mit denen spricht, die Mächtiger sind als Brüssel.
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PekingDer chinesische Premierminister Li Keqiang schien diese Woche zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz. Seine Europareise platzt in den neuen Höhepunkt der Griechenlandkrise. EU-Präsident Jean-Claude Juncker hatte wenig Zeit, sich darüber zu freuen, dass China „bestrebt ist“, seinen Milliarden EU-Investitionsfonds (EFSI) zu unterstützen. Und ebenso wenig Zeit hatte er, sich zu ärgern, dass Li sich nicht auf eine Summe festlegen lassen wolle. Das kann man ihm angesichts des Chaos nicht verdenken.

Doch etwas mehr Aufmerksamkeit hätte Chinas Premier Li schon verdient. China ist für die Zukunft Europas im Zweifel wichtiger als Griechenland. Kein anderes wichtiges Land hat so ein großes Interesse an einem starken Europa, als geostrategisches Gegengewicht zu den USA. Kein anderes Land der Welt hat so viel Geld, um in Europa zu investieren. Und Europa ist für die Chinesen als Absatzmarkt interessant.

Deshalb betonte Premier Li, dass die Schuldenfrage, „kein rein europäisches Thema“ sei. Das kann man auch noch kürzer formulieren: Wer bezahlt, bestimmt mit. Und Peking hat andere Vorstellungen als Brüssel:  Mehr Geld für Griechenland von der EU, damit die chinesischen Investitionen Aufwind bekommen. Und ein starker Euro, der ihre Produkte billiger werden lässt.

Doch derzeit gibts kein Geld und der Euro ist schwach. Die Chinesen jammern nicht darüber. Sie machen das Beste draus und investieren in europäische Infrastruktur und europäische Unternehmen. Das passt gut zur neuen Pekinger Politik. Die eigenen Firmen, die Stubenhocker, sollen nun endlich in die Welt hinaus, wo sie sich international bewähren müssen. „Die neue Seidenstraße“, lautet das Stichwort dazu.

Gerade, weil Peking anders tickt als Brüssel lohnt es sich, das Kleingedruckte der chinesischen Europapolitik zu lesen. “China hat schon immer den Integrationsprozess unterstützt“, sagte Premier Li Keqiang. Peking hat allerdings sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Integration funktioniert.

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