Sierens Welt

Taylor Swift vs. Volksrepublik China

Taylor Swift provoziert Chinas Behörden mit einer Modekollektion. Die Marke der Sängerin kann als Anspielung auf die Freiheitsbewegung von 1989 verstanden werden. Ein spannendes Duell, meint unser Kolumnist Frank Sieren.
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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.
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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Kennen Sie Taylor Swift? Nicht? Ich kannte die 25-Jährige Pop-Sängerin bis vor kurzem auch kaum. Wir kennen sie nicht, weil wir Ü40 sind, uns hauptsächlich mit Wirtschaft beschäftigten und noch keine siebenjährigen Kinder haben. Eine Wissenslücke, denn sie ist eine der erfolgreichsten Sängerinnen der Welt.

Ihr Album „Fearless“ war schon 2008 das erfolgreichste Album der 2000er. Mit ihrem gegenwärtigen Hit-Album hat sie allein neun von 15 Nominierungen für die MTV Video Music Awards 2015 bekommen, die Ende August vergeben werden. Nicht unsere Baustelle, richtig.

Immerhin einen Schnittpunkt gibt es: Ihr Vater leitet die Swift Group, ein erfolgreiches Finanzberatungsteam der Bank of America Merryl Lynch. Allerdings verdient die Kleine schon heute mehr als ihr Vater. 64 Millionen US-Dollar. Damit ist sie nach Beyonce, die weltweit am zweitbesten bezahlte Musikerin.

Doch was hat sie mit China zu tun? Viel. Erst hat sich Swift erfolgreich mit Apple angelegt. Nun fordert sie China heraus – mit einer Frauen-Mode Kollektion. Die Sängerin hat Apple gezwungen, die Konditionen für den Musikdienst I-Tunes anzupassen. Apple wollte Musik für die ersten drei Monaten honorarfrei streamen, bis Swift in einem Blog dies als „schockierend und enttäuschend“ bezeichnete. Apple lenkte wenige Stunden später ein. Mutig!

Nun ist China dran: Swift neustes Album ist nach ihrem Geburtsjahr 1989 benannt, das Jahr, in dem die Freiheitsbewegung vom Platz des Himmlischen Frieden blutig niedergeschlagen wurde. Ein Datum, das in den sozialen Medien und öffentlichen Debatten Chinas bis heute zensiert wird.

Dafür kann Swift nichts. Damit hat sie nichts zu tun. Es spricht nichts dagegen, ihr Album 1989 zu nennen. Erstaunlich ist aber schon, dass sie nun in China, und zwar nur in China eine Modekollektion unter dem Label TS 1989 herausbringt. TS sind ihre Initialen. Sie könnten aber auch für Tiananmen Square stehen.

Ihre Mode wird über die chinesischen Online Konzerne jd.com und alibaba.com vor ihrer Chinatour im November vertrieben. Die Mode-Ankündigung im chinesischen Netz ist bereits online. Bisher wurde sie nicht zensiert. Vernünftig wäre es von Peking, die Swift-Mode auch weiterhin zu ignorieren. Doch das ist im gegenwärtigen politischen Klima unwahrscheinlich.

Taylor Swift versöhnt sich mit Apple
Taylor Swift
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Nach dem Einlenken von Apple bei der Bezahlung von Plattenfirmen und Musikern stellt Sängerin Taylor Swift ihr aktuelles Album „1989“ dem neuen Musikdienst des iPhone-Konzerns zur Verfügung. Das kündigte die Künstlerin am Donnerstagabend beim Online-Dienst Twitter an. Apple Music wird der erste Streaming-Dienst sein, bei dem das Album zu hören sein wird. Es verkaufte sich seit vergangenem Herbst allein in den USA mehr als fünf Millionen Mal.

Sieg über Apple
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Der Schritt ist ein Zeichen der Versöhnung. Swift hatte am vergangenen Wochenende medienwirksam damit gedroht, „1989“ von Apples Streaming-Musikdienst fernzuhalten, wenn der Konzern kein Geld während der dreimonatigen kostenlosen Testphase bei seinem Musikdienst bezahle. Apple gab innerhalb weniger Stunden nach.

Weg frei für Independent-Label
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Die Erfüllung der Forderung von Swift ebnete auch den Weg für einen Deal zwischen Apple und den Independent-Labels. Allerdings werden viele Künstler während der Gratis-Probezeit wohl nur wenig Geld sehen. Pro Song-Abruf seien 0,2 US-Cent vorgesehen, berichtete unter anderem die „New York Times“. Das liege auf dem Niveau der kostenlosen Angebote von Rivalen wie Spotify. Über eine niedrigere zusätzliche Abgabe am Musikverlage werde zum Teil noch verhandelt, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Wachsfigur
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Taylor Swift hat im vergangenen Jahr weltweit die meisten Platten verkauft. Kein Wunder, dass sie nun auch im Wachsfiguren-Kabinett von Madame Tussauds in London auftaucht.

Küsschen
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Wie der Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) im Februar bekanntgab, war die 25-Jährige im Jahr 2014 gemessen am Verkauf von Alben sowie an Downloads und Streaming-Diensten die erfolgreichste Künstlerin. Das ist doch ein Küsschen wert. Der Modeautor Derek Blasberg ist hier der Glückliche auf einer Show für Oscar de la Renta am 17. Februar 2017 in New York.

Saturday Night
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Taylor Swift hatte im vergangenen Jahr ihr Album "1989", das Jahr ihrer Geburt, herausgebracht. Allein in der ersten Woche verkaufte sich die Platte in den USA 1,2 Millionen Mal. Das feierte sie am 15. Februar 2015 auf der 40. „Anniversary Saturday Night Live (SNL) broadcast in the Manhattan Borough of New York“.

Auf der Grammy-Gala
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Der Verband IFPI würdigte lediglich einzelne Künstler und Gruppen. Wäre dem nicht so, hätte es 2014 einen ganz anderen Gewinner gegeben: nämlich den zusammengestellten Soundtrack zum Disney-Film "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren". Das wird Taylor Swift, die hier am 8. Februar 2015 auf der Grammy-Gala posiert, nicht stören. Man beachte ...

Die Hardliner werden befürchten, dass die T-Shirts zu einem Symbol für die Unzufriedenheit mit der Partei werden könnten. Die Neurotiker unter ihnen werden sogar behaupten, Swift habe das lange vorbereit, wenn sie die Abfolge ihrer Alben Titel lesen: „Furchtlos“, „Spreche jetzt“, „rot“, „1989“.

Und sie werden fragen: Steckt da womöglich der amerikanische Geheimdienst dahinter? Ist es nicht eigenartig, dass Swift just vor der ersten USA Reise von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping im Herbst damit auftaucht?

Die Westen-Versteher im chinesischen Apparat werden dagegen halten: Ihre Texte seien unpolitisch. Swift sei einfach nur jung, gedankenlos und naiv. Ausgerechnet die New York Times fällt ihnen allerdings in den Rücken. Sie bescheinigt der Sängerin, es sei „nichts Naives“ in ihrer Musik und sie sei „eine der führenden Pragmatiker“ der USA. Es wird also spannend das Duell: China gegen Taylor Swift. Wie gut, dass wir jetzt wenigstens wissen, wer sie ist.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

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