Sierens Welt
Trumps enger Spielraum mit China

Leichter zu durchschauen, doch auch gefährlich: Für Peking hat der neue US-Präsident einen großen Vorteil, aber auch Nachteile. Auf der anderen Seite hat Trump in der Chinapolitik kaum Spielraum.

PekingVieles ist unsicher, seitdem sicher ist, dass Donald Trump der neue Präsident der Vereinigten Staaten wird. Doch nachdem sich der Gefechtsrauch des Wahlkampfes verzieht, zeichnet sich zumindest eines ab: Wenn Trump davon spricht, dass Amerika wieder stark sein soll, dann denkt er nicht an Nordkorea, Taiwan und das Südchinesische Meer, sondern an Ohio, Michigan und Pennsylvania. Das unterscheidet ihn von Hillary Clinton.

Für Peking ist dies eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Trump interessiert sich weniger für geostrategische Winkelzüge. „Wir werden mit allen Ländern gut klarkommen, die mit uns klarkommen wollen“, war sein außenpolitischer Tenor in der ersten Rede nach seinem Sieg. „Wir werden mit jedem Land vorsichtig umgehen.“ Das hört Peking gern. Das klingt nach Win-Win.

Als Präsident wird Trump sich zudem fragen, was es ökonomisch aber auch politisch bringt, im Südchinesischen Meer Stärke zu zeigen. Die Antwort: wenig. Im Wahlkampf sprach er ja bereits davon, dass sich Länder, die von den USA Schutz wollen, noch mehr an den Kosten beteiligen müssen. Keine gute Nachricht für Japan und Südkorea. Insofern ist es durchaus wahrscheinlich, dass Peking während der Trump Präsidentschaft größeren Spielraum hat als heute, in Asien seine Pflöcke dauerhaft einzuschlagen.

Über die schlechte Nachricht macht man sich in Peking allerdings dennoch keine Illusionen. Anders als die westliche Öffentlichkeit haben sich die chinesischen Diplomaten weniger mit der Frage beschäftigt, was sie sich wünschen, sondern mehr damit, was kommen kann. Dabei ist ihnen klar geworden, dass Trump bei den Handelsbeziehungen eine harte Linie fahren muss. Das ist er seinen Wählern schuldig. Sie sind überzeugt, dass Chinesen ihnen ihre Arbeitsplätze wegnehmen. Trump hat diese falsche Stimmung in seiner ganz eigenen Art verstärkt, als er davon sprach, dass China die USA „vergewaltigt“ hat und der „größte Dieb der Weltgeschichte“ ist.

Er wird seinen Ton mäßigen, aber in der Sache unbeugsam bleiben, auch, wenn der neue Präsident natürlich genau weiß, dass es keine Lösung ist, nun iPhones in Ohio zusammenzubauen und hohe Zölle für chinesische Produkte sich kaum durchsetzen lassen.
Denn der Konflikt wird aus zwei Richtungen gedämpft. China hält nicht nur gemeinsam mit Japan die meisten US-Staatsanleihen, sondern ist auch ein wichtiger Absatzmarkt und Produktionsort von US-Firmen.

Und im republikanisch dominierten US-Senat gibt es eine starke Freihandelsfraktion. Trump wird schnell merken, wie eng sein Spielraum ist. Dennoch kann er es sich in dieser Frage kaum leisten, als einer dazustehen, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt. Das würde die Marke Trump zu sehr beschädigen.

Frank Sieren. Der Bestsellerautor ("Der China-Schock") gilt als einer der führenden Chinakenner.
Frank Sieren
Handelsblatt / Korrespondent China
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