Sierens Welt
Weniger Pendler in Chinas Metropolen

Peking und die Nachbarstädte Tianjin und Hebei sollen zur Mega-Metropole Jingjinji zusammengefasst werden – mit 130 Millionen Menschen. Das geht wohl nicht anders, meint Handelsblatt-Korrespondent Frank Sieren.
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Immer wieder werde ich gefragt, wie es sich in einer 25-Millionen-Menschen-Stadt wie Peking lebt. Es lebt sich erstaunlich normal. Von der Luftverschmutzung und den Staus einmal abgesehen und von den vollen U-Bahnen, der Wasserknappheit und den vielen Baustellen, ist Peking eine durchaus gemütliche Stadt. Hier und da. Man richtet sich halt ein.

Ähnlich wie in Berlin haben die meisten Menschen auch in Peking ihren Kiez, mit ihren Restaurants, Kinos, Parks und Läden, in denen sie einkaufen. Und die sind genauso gut erreichbar wie in Berlin oder München. Vor allem, wenn man mit dem Elektro-Roller unterwegs ist, dem beliebtesten Fortbewegungsmittel in Peking.

Allerdings müssen viele in Peking jeden Tag oft Stunden pendeln, um aus ihrem Viertel zur Arbeit und zurück zukommen. Die Strecken werden immer länger. Deshalb muss die Regierung jetzt handeln. Es ist sehr schwierig, sich vorzustellen, mit welcher Geschwindigkeit die Probleme zunehmen. Vor allem in Deutschland. Denn Deutschland steht für vieles, nicht jedoch für große, dicht besiedelte Städte.

Die größten Metropolen auf dem europäischen Kontinent sind Moskau, Istanbul und London. Die am dichtesten besiedelten sind Paris, Athen und Barcelona. Keine europäische Stadt ist jedoch so groß und so dicht besiedelt wie Peking.

Anfang der 90er-Jahre lebten hier „nur“ sechs Millionen Menschen. Gut 20 Jahre später sind es vier Mal so viele. Das ist jedoch erst der Anfang. Erst 700 Millionen Chinesen sind heute Städter, 2025 werden es bereits über 900 Millionen sein. Die Menschen lassen sich eben nicht mehr vorschreiben, wo sie leben sollen.

Deswegen plant die Regierung jetzt eine Metropolregion – mit 130 Millionen Menschen. Aus Peking, der benachbarten Hafenstadt Tianjin und der Provinz Hebei wird eine neue Mega-Stadt auf einer Fläche von mehr als 200.000 Quadratkilometern entstehen. Das ist mehr als zwei Mal so groß wie Bayern. Sie soll das größte urbane Zentrum der Welt werden.

Solche Großräume gibt es in China schon einige, in Guangdong im Süden zum Beispiel, oder in Chongqing, im Südwesten des Landes. Funktioniert hat es bisher nicht. Eine Stadt sind die Konglomerate nur auf dem Papier. Im Falle Pekings soll das anders werden.

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Jingjinji als Weltpremiere

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  • Gerade das Pearl River Delta ist Beweis, dass es geht. Infrastruktur funktioniert, keine Engpässe, Verkehr ist auch nicht schlechter als in anderen Metropolen (und auf der chinesischen Seite der Grenze) immer noch besser als in Hong Kong.
    In Deutschland, und für die Leserschaft dort schreibt Herr Sieren ja wohl bzw. dafür wird er bezahlt, kann man sich schon eine Stadt mit 13 Millionen Einwohnern (Shenzhen, offiziell) nur schwer vorstellen. Mit seinem Artikel bestätigt Herr Sieren Vorurteile, und das ist schade. Dabei gibt es vieles, was der weiter entwickelte (?) Westen von China lernen könnte. Wenn man denn bereit wäre, die Scheuklappen abzunehmen.

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