Sigmar Gabriel in Havanna
Der Fluch der Karibik

Kuba hat einen gewaltigen Nachholbedarf. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wirbt nun in Havanna für bessere Investitionsbedingungen. Denn diese sind für westliche Unternehmen teils eine Zumutung.

HavannaDie Sonderwirtschaftszone Mariel und im Kern der neue Industriehafen ist eines der Prestigeprojekte der kubanischen Regierung. Dort probt sie ein bisschen Marktwirtschaft, der Hafen soll zum Logistikdrehkreuz der Karibik werden. Auch deutsche Unternehmer wollten sich das Projekt am Donnerstag im Rahmen ihres gemeinsamen Besuches mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) anschauen. Doch daraus wurde nichts.

Seit Mittwochabend weilt Gabriel in Kuba. Mitgenommen hat er eine große Wirtschaftsdelegation. 60 Unternehmen wittern ihre Chance in Kuba, der Andrang um die freien Plätze war groß.
Die Reise ist anstrengend für die überwiegend aus Mittelständlern bestehende Delegation. 30 Grad Temperaturunterschied, 6 Stunden Zeitverschiebung, elf Stunden Flug liegen hinter ihnen. Am Donnerstagmorgen hören sie sich dennoch über mehrere Stunden die Vorträge der Staatsbediensteten zu den Investitionsbedingungen an, knüpfen Kontakte, tauschen sich aus – ganz so wie es ihnen Gabriel bei ihrer Ankunft am Abend zuvor geraten hatte.

Nun also der neue Industriehafen Mariel. Es ist 14.30 Uhr, die Unternehmer sitzen schon im Bus, der Motor läuft, die Klimaanlage auch. Doch losfahren werden sie nicht. Es habe ein Koordinationsproblem gegeben, heißt es von der Deutschen Botschaft in Havanna. Die Zuständigen im Industriehafen könnten die Delegation doch nicht empfangen.

Zuvor wurde bereits der Besuch einer Tabakfabrik zum Bedauern von Gabriel kurzfristig abgesagt – wie sich herausstellte, hat der Betrieb gerade Werksferien. Seitdem sich Kuba und die USA offiziell wieder näher kommen, gibt es einen Hype um den sozialistischen Inselstaat. Touristen, Politiker und Wirtschaftsdelegationen kommen in Scharen.

Obwohl das Jahr noch jung ist, ist Gabriel nicht der erste hochrangige Besucher in diesem Jahr. Am Montag war ihm bereits der Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia Terry McAuliffe zuvorgekommen. Dass selbst die Delegation des deutschen Vizekanzlers aus Platzmangel in verschiedenen Hotels in Havanna untergebracht werden musste, zeigt, wie ungewohnt dieses neue Interesse für den Inselstaat ist.

Auch die Behörden scheinen bereits überfordert, erzählen Mitglieder der Unternehmerdelegation, die schon im Land aktiv geworden sind. Dabei dauerte die Bürokratie auch vor der Öffnung schon lange. „Allein die Registrierung unseres Unternehmens hat acht Monate gedauert“, sagt ein Mitreisender, dessen Unternehmen bereits seit fünf Jahren in Kuba aktiv ist.

Kuba will den Kommunismus erhalten, indem es ihn für den Kapitalismus öffnet – und die Wirtschaft der Welt springt gern darauf an. Auch die deutschen Unternehmen wittern ihre Chance und Gabriel will dafür sorgen, dass die Investitionsbedingungen für sie verbessert werden. Gleich am ersten Tag seiner Reise unterschreibt er mit dem kubanischen Außenwirtschaftsminister Rodrigo Malmierca ein Memorandum of Understanding zur Einrichtung eines Wirtschaftskontaktbüros. In einem zweiten Schritt soll daraus dann eine Außenhandelskammer werden.

Die Unternehmen setzen große Hoffnung in die Kontaktstelle, denn die Bedingungen in Kuba sind nicht leicht. „Da gibt es noch eine ganze Menge zu tun“, sagt Gabriel. Das wollte er auch in seinen Gesprächen mit Vizepräsident Miguel Diaz-Canel, Außenwirtschaftsminister Rodrigo Malmierca und Wirtschafts- und Planungsminister Marino Alberto Murillo Jorge am Donnerstag ansprechen.

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