Silvester in Brüssel
Zwischen Schaumwein und Soldaten

Nach den Terror-Festnahmen müht sich Brüssel um Normalität. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Auch wenn das öffentliche Silvesterfeuerwerk am Donnerstag stattfindet: Viele werden den Jahreswechsel wohl zuhause verbringen.

BrüsselEinig sind sich die Brüsseler an diesem Mittwoch vor allem in einem: Sie wollen nicht in der Haut ihres Bürgermeisters Yvan Mayeur stecken. Er muss Risiken abwägen, entscheiden, ob das städtische Silvesterfeuerwerk in der Nacht zu Neujahr angesichts der Terrorbedrohung stattfinden wird oder nicht. „Ich will es nicht zu schnell absagen“, betonte Mayeur in der Zeitung „Le Soir“. Außerdem wolle er nicht zur Psychose der Bevölkerung beitragen.

Tatsächlich bemühen sich die Menschen angesichts der Terrorbedrohung um Normalität; an verstärkte Sicherungsvorkehrungen, an schwer bewaffnete Soldaten auf Weihnachtsmärkten und in Metrostationen haben sie sich während der vergangenen Wochen ebenso gewöhnt wie an Polizisten in schusssicheren Westen vor Schulen. Die Medien berichten betont sachlich, ohne Hysterie. „Sein Leben leben, was sollen wir sonst machen“, sagt ein Verkäufer im Delhaize-Supermarkt um die Ecke: „Es geht weiter, schauen Sie sich um.“

Der Laden ist voll, die Lebensfreude lassen sich die Brüsseler offensichtlich nicht nehmen, decken sich ein mit Leckereien fürs Fest. Vor allem eines fällt auf: Die Bestände an Sekt und Champagner sind deutlich zusammengeschrumpft. Das passt zur Haltung: Jetzt erst recht. Der Karikaturist Cost bringt es, freilich sarkastisch, auf den Punkt. Seine Zeichnung zeigt im Hintergrund eine feiernde Menschenmenge. Vorn stehen zwei Soldaten in Kampfmontur – doch anstelle der Gewehre halten sie etwas anderes im Arm: eine Magnum-Flasche Schaumwein.

In den vergangenen Tagen hatte die Polizei bei mehreren Razzien zwei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, in der Silvesternacht Anschläge geplant zu haben. Laut Staatsanwaltschaft seien während der Feierlichkeiten zum Jahresende Angriffe an mehreren „symbolträchtigen Orten“ Brüssels geplant, unter anderem am Grand Place, an dem sich viele Touristen aufhalten.

Während der Razzien im Großraum Brüssel, Lüttich und der Provinz Flämisch-Brabant fanden die Fahnder aber weder Sprengstoff noch Waffen. Neben IS-Propaganda und Computerausrüstung wurden jedoch Militäranzüge sichergestellt. Belgische Medien berichten unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise, die Verdächtigen hätten sich als Soldaten verkleidet an stark frequentierten Plätzen unter die Menschen mischen und dort um sich schießen wollen. Offiziell bestätigt ist diese Darstellung aber nicht. Als sicher gilt, dass auch Polizeistationen im Visier der Terroristen waren. Dort wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

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Zwischen Schaumwein und Soldaten

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Derzeit gilt noch Warnstufe 3

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