Silvio Berlusconi Rückkehr mit Ansage

Mit einer Diät, Gymnastik und gezielten Aufregern plant Silvio Berlusconi seine Rückkehr auf die politische Bühne Italiens. Und das, obwohl er wegen einer Strafe bis 2019 gar kein öffentliches Amt antreten darf.
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Viermal war der Medienunternehmer bereits Premierminister in Italien. Quelle: Reuters
Silvio Berlusconi

Viermal war der Medienunternehmer bereits Premierminister in Italien.

(Foto: Reuters)

RomIn Rom war Silvio Berlusconi schon lange nicht mehr. Der ehemalige Premier, der im Herbst 2011 abtreten musste, als Italien kurz vor dem Staatsbankrott stand, verbringt seine Freizeit lieber in seiner Villa San Martino im oberitalienischen Arcore. Im Keller des Anwesens fanden früher die legendären Bunga-Bunga-Partys mit gut bezahlten vollbusigen Mädchen statt. Doch das ist lange her. Heute lässt sich der Mailänder Medienmogul lieber am Schreibtisch fotografieren. Oder er kurt wie in diesen Tagen im Hotel Palace in Meran, macht Gymnastik und Diät, wie die Zeitungen ausführlich berichten. Er wolle fit sein für den anstehenden Wahlkampf, ließ er verlauten. In einem Monat wird Berlusconi 81.

Am Montag enden die Parlamentsferien in Italien. Dann nimmt auch Berlusconi die politische Arbeit auf. Er muss eine Mitte-Rechts-Formation aufstellen, die bei den nächsten Wahlen eine Chance hat. Die Konkurrenz: Die Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsident Paolo Gentiloni und die Regierungspartei Partito Democratico (PD), die Matteo Renzi anführt. Keine leichte Aufgabe für Berlusconi. Denn die potentiellen Partner seiner Partei Forza Italia, die Lega Nord und die rechten Fratelli d’Italia, sind vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht. 

„Ich bin zurück und arbeite schon am Programm“, sagte Berlusconi nach den Kommunalwahlen Ende Juni, bei denen seine Partei überraschend gut abgeschnitten hatte. Seitdem überzieht er das Land mit Interviews und Ankündigungen – wie der, eine Parallelwährung zum Euro einzuführen, wenn er gewinnt. Das ist alles Taktik und geschieht nach Plan, wie es schon 1994 war, als der Chef der Familienholding Fininvest in die Politik ging: Seine hauseigene Werbeagentur Publitalia sondierte damals, welche Politikthemen die Italiener interessierten. Danach wurde das Programm von Forza Italia – dem Schlachtruf der Fußball-Nationalmannschaft – geschrieben. Manager von Mediaset, dem Medienunternehmen Berlusconis, waren die ersten Parteimitglieder und Abgeordneten. Einen Parteitag gab es nie.  

Sollte es dem genau wie früher auf sein Äußeres bedachten Mann aus Mailand gelingen, eine Koalition für die Wahlen im Frühjahr 2018 zu schmieden, stehen seine Chancen gar nicht schlecht. „Wenn sich eine Mitte-Rechts-Koalition zusammenfindet, wie es sie schon gab, wäre das eine ernstzunehmende Herausforderung für Mitte-Links“, sagt der Ökonom Lorenzo Codogno. Die nächsten Wahlen würden mit Sicherheit ein Kopf-an-Kopf-Rennen.  

Er ließ kein Fettnäpfchen aus
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Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi hat in der Vergangenheit immer wieder mit bizarren Aktionen für sprachloses Kopfschütteln im In- und Ausland gesorgt. Welche Fauxpas' er sich schon geleistet hat.

Foto: Reuters

U.S President Obama laughs with Italy's Prime Minister Berlusconi and Russia's President Medvedev as they pose for photograph at the G20 summit in London
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Rassistische Bemerkungen

Kurz nach den US-Präsidentschaftswahlen 2008 beschrieb Berlusconi den Wahlsieger Barack Obama als "jung, schön und auch noch sonnengebräunt".

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Nazi-Schergen

Für einen Eklat sorgte Berlusconi, als er den deutschen SPD-Politiker Martin Schulz im Europarlament mit einem Nazi-Schergen verglich: "Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt." Als Kapo wurde im Nationalsozialismus ein Häftling bezeichnet, der im Auftrag der Lagerleitung andere Häftlinge beaufsichtigten musste.

Foto: Reuters

Silvio Berlusconi
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Scheißland Italien

Bei einem abgehörten Telefongespräch mit dem Herausgeber einer Online-Zeitung soll Berluscon wörtlich gesagt haben: „Ich bin völlig transparent, sauber in allem was ich tue. Man kann mir nichts vorwerfen. Die Leute können sagen, dass ich vögele. Das ist das Einzige. In ein paar Monaten werde ich fortgehen, um mich um meinen eigenen Kram zu kümmern. Ich verlasse dieses Scheißland, bei dem ich kotzen könnte.“

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Der bessere Fußballtrainer

Berlusconi hält sich selbst offenbar für den besten Trainer für seinen AC Mailand. "Wenn ich die Mannschaft dieses Jahr trainiert hätte, hätte ich die Meisterschaft mit fünf bis sechs Punkten Vorsprung gewonnen", sagte der Milan-Besitzer im vergangenen Jahr. Milan war in der Saison 2010 ohne Titel geblieben und hatte die Serie A hinter Inter Mailand und dem AS Rom als Tabellendritter beendet.

Foto: dpa

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Maulkorb für EU-Kommissare

Aus Wut über Fragen der EU-Kommission zur Flüchtlingspolitik seines Landes forderte Silvio Berlusconi die Entlassung von EU-Kommissaren samt ihrer Sprecher. Italien werde außerdem alle Entscheidungen im EU-Rat der Regierungen blockieren, solange den Kommissaren und ihren Sprechern nicht verboten werde, öffentliche Stellungnahmen abzugeben, polterte der Regierungschef am Rande der Gedenkfeiern zum Zweiten Weltkrieg in Danzig (im Bild: Berlusconi, re., mit Polens Premier Tusk). Die Opposition in Italien forderte daraufhin die Einweisung Berlusconis in einer psychiatrische Klinik.

Foto: Reuters

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Mussolini Zitat

Berlusconi sorgte auch mit einem Zitat des faschistischen Diktators Benito Mussolini für Schlagzeilen. "Als Regierungschef habe ich nie das Gefühl gehabt, Macht zu haben", sagte er nach einem OSZE-Treffen in Paris. Dann fügte Berlusconi an: "Ich wage es, einen Satz von jemandem zu zitieren, der als großer Diktator galt, nämlich Mussolini: 'Man sagt, dass ich Macht habe, aber es sind meine (Partei-)Hierarchien, die sie haben, ich kann nur sagen, ob mein Pferd rechts oder links geht'."

Foto: Reuters

Dagegen spricht die ausgeprägte Streitsucht italienischer Politiker. Vor allem die Lega Nord und ihr Anführer Matteo Salvini fallen durch fremdenfeindliche und anti-europäische Sprüche auf. Sie wollen ihre Zustimmung zu einem Bündnis teuer verkaufen. Auf sie ist Berlusconis Ankündigung einer Parallelwährung zum Euro gemünzt. Im Gegenzug will die Lega Nord von ihrem Anti-Europa-Kurs abweichen. Das ist wichtig für Berlusconi, denn die konservativen Wähler sind gegen einen Italexit, also einen Austritt Italiens aus der EU. Eine „neue Lira“ ist indes überhaupt nicht realistisch, das schließen schon die Regeln der Währungsunion aus.   

Der Testlauf beginnt auf Sizilien
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