Simbabwe
Mugabe wettert gegen Großbritannien

Simbabwes Präsident Robert Mugabe richtet heftige Angriffe gegen Großbritannien: Er wirft der ehemaligen Kolonialmacht vor, die Opposition zu bezahlen und die Menschen wieder zu unterjochen. Über den grünen Klee lobt Mugabe dagegen das Nachbarland Südafrika.

HB HARARE. In seiner Rede zum Unabhängigkeitstag zeigte sich Mugabe aggressiv und zog alle Register des Befreiungskampfes, für den er auch nach fast 30 Jahren in vielen Teilen Afrikas verehrt wird. „Nieder mit den Briten! Nieder mit den Dieben, die unser Land stehlen wollen!“, rief er rund 15 000 Anhängern zu, die ins Stadion Gwanzura am Stadtrand von Harare gepilgert waren.

Unter dem wachsenden Druck, das Ende seiner Herrschaft einzugestehen, schürte der 84-Jährige die Angst, das ehemalige Rhodesien drohe wieder in fremde Hände zu fallen. „Sie haben ihre Taktik verändert und wenden heute raffiniertere Methoden an. Sie benutzen ihr Geld, um die Menschen zu kaufen und gegen die Regierung aufzubringen. Wir werden wie Vieh gehandelt.“ Gruppen in traditionellen Kleidern sangen und tanzten zu Liedern, die an den Unabhängigkeitskrieg erinnerten.

Wenige Stunden zuvor hatte US-Präsident George W. Bush seinen Druck erhöht und die afrikanischen Staaten aufgefordert, sich in dem Konflikt um den Ausgang der simbabwischen Präsidentenwahl stärker um eine Lösung zu bemühen. Danach sieht es zurzeit aber nicht aus. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hatte gar erklärt, in Simbabwe gebe es keine Krise. Zum Dank richtete Mugabe einige der wenigen Passagen der Rede auf Englisch an Südafrika und betonte dessen Vermittlungsbemühungen im Streit mit der simbabwischen Opposition um das Wahlergebnis.

In einem Affront gegen Mbeki blockierte eine südafrikanische Gewerkschaft eine chinesische Waffenlieferung für Simbabwe. Die Waffen würden nicht abgeladen, weil Mugabe sie zur Niederschlagung der Opposition einsetzen könne, erklärte die Transportarbeitergewerkschaft Satawu in der Hafenstadt Durban. Auch die Dachorganisation der Gewerkschaften, Cosatu, betonte, bei einer Auslieferung der vier Container der „An Yue Jiang“ drohten weitere Menschenrechtsverletzungen.

Das Ergebnis der Präsidentenwahl wurde immer noch nicht veröffentlicht. Die Parlamentswahl gewann mit Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) erstmals die Opposition. Die Wahlkommission will die Abstimmung aber am Samstag in 23 Bezirken neu auszählen lassen, weil dort Probleme aufgetreten sein sollen. Die meisten der Bezirke wurden von Oppositionskandidaten gewonnen. Ein Gericht in Harare wies am Freitag eine Klage der Opposition gegen eine Neuauszählung der Stimmen ab.

Bei der Präsidentenwahl vor drei Wochen erhielt Tsvangirai unabhängigen Zählungen zufolge die meisten Stimmen, muss sich aber einer Stichwahl stellen. Mugabe, der das verarmte Land seit fast 30 Jahren mit eiserner Hand regiert, klammert sich jedoch an die Macht. Seit der Wahl wurden zahlreiche Oppositionelle festgenommen.

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