Simbabwe
Nur die Notenpresse rettet Mugabe

Kaum ein anderes Land ist in den vergangenen Jahren so spektakulär abgestürzt wie der südafrikanische Binnenstaat Simbabwe, nun steht die Wirtschaft vor dem endgültigen Kollaps. Am kommenden Samstag wählt Simbabwe einen neuen Präsidenten, doch der amtierende Amtsinhaber Mugabe klammert sich an die Macht. Ein Land im Abwärtsstrudel.

KAPSTADT. „It’s the economy, stupid.“ Dieser Slogan aus Bill Clintons Wahlkampagne gegen George Bush senior könnte eines Tages auch für Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe gelten. Nur dass dieser Satz dann nicht wie bei Clinton, der damals mit Wirtschaftsthemen punkten konnte, für einen Wahlsieg stehen dürfte, sondern für das Ende der Alleinherrschaft Mugabes, die schon 28 Jahre währt. Die Wahl am kommenden Samstag wird der 84-Jährige mit massiven Manipulationen wohl noch gewinnen. Doch wie lange das Volk die katastrophale Wirtschaftslage noch hinnimmt, ist fraglich.

„Das Gesetz der Wirtschaft ist das einzige, was Mugabe nicht einseitig brechen kann“, sagt der frühere US-Botschafter in Harare, Christopher Dell. Tatsächlich sind wenige Länder in den vergangenen Jahren ähnlich spektakulär abgestürzt wie der südafrikanische Binnenstaat Simbabwe. Während das frühere Rhodesien nach der Unabhängigkeit 1980 eine der wenigen Erfolgsstorys in Afrika schrieb, ist es heute einer der schlimmsten wirtschaftlichen und humanitären Katastrophen des Kontinents ausgeliefert – verursacht durch einen Potentaten, der sich mit allen Mitteln an die Macht klammert. Die Wirtschaftsleistung ist in nur acht Jahren um fast 40 Prozent geschrumpft. Fast ein Drittel der einstmals 13 Millionen Simbabwer sind seither vor Mugabes Schreckensherrschaft ins Ausland geflohen. Und die Inflation hat sechsstellige Prozentwerte erreicht. „Bislang hat noch kein Regime solch gigantische Inflationsraten überlebt“, sagt Ex-Botschafter Dell. „Nie war echter Wandel in Simbabwe so nah wie jetzt.“

Da Mugabe den Soldaten, aber auch den Staatsdienern kurz vor der Wahl eine Gehaltserhöhung gewährte, dürfte sich die Teuerung nach Ansicht des simbabwischen Wirtschaftsprofessors Tony Hawkins bis zur Jahresmitte nochmals mehr als verdoppeln. Kein Wunder, dass die Währung das Papier nicht mehr wert ist, auf dem sie gedruckt wird: Während man offiziell 30 000 Zimbabwe-Dollar für einen US-Dollar erhält, werden auf dem Schwarzmarkt 250 000 gezahlt. Zur Unabhängigkeit 1980 war ein Zim-Dollar noch etwas mehr wert als das US-Pendant.

Während der ökonomische Niedergang lange im Zeitlupentempo vonstatten ging, scheint Simbabwes Wirtschaft nun endgültig zu kollabieren. Einige Ökonomen sind der Ansicht, dass Regierungen selbst dann noch Steuern einziehen können, wenn sich die Preise jeden Monat verdoppeln. Geschieht dies jedoch wie in Simbabwe fast im Wochentakt, ist schnell der Punkt erreicht, an dem die Bevölkerung aus der eigenen Währung flieht. „Simbabwe ist auf dem besten Weg dorthin – und vieles deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt unmittelbar bevorsteht“ sagt der Ökonom John Robertson.

Seite 1:

Nur die Notenpresse rettet Mugabe

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%