Simbabwe
Oppositionsführer Tsvangirai ist wieder frei

Der große Gegenspieler von Diktator Robert Mugabe ist nach acht Stunden Haft wieder auf freien Fuß - vorerst. Rechtzeitig vor der entscheidenden Stichwahl zwischen beiden wurde Morgan Tsvangirai verhaftet.

HB JOHANNESBURG/HARARE. Die Polizei in Simbabwe hat den oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Morgan Tsvangirai nach acht Stunden wieder freigelassen. Als Grund für die vorübergehende Festnahme habe die Polizei angeführt, dass Tsvangirai an einer nicht genehmigten Versammlung teilgenommen habe, erklärte sein Anwalt Job Sibanda.

Der Herausforderer von Präsident Robert Mugabe war nach Angaben seiner Partei MDC am Mittwoch zu einer Polizeistation nahe der Hauptstadt Harare gebracht worden. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte sich darüber „sehr besorgt“ geäußert. Tsvangirai tritt am 27. Juni in einer Stichwahl gegen Mugabe an. Der Oppositionsführer hatte den ersten Wahlgang Ende März gewonnen.

Die Verhaftung ist nur ein Beispiel, wie Simbabwes Präsident und Langzeit-Diktator Robert Mugabe und sein seit fast 30 Jahre Regime alles versucht, um die Opposition des Landes bei der Stichwahl um das Präsidentenamt um den sicheren Sieg zu bringen: Nachdem die Machthaber erst am Wochenende den Regimegegner Arthur Mutambara kurzzeitig verhaftet hatten, kam am Mittwoch dann Oppositionsführer Morgan Tsvangirai an die Reihe.

Wie die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) mitteilte, war er von der Polizei auf einer Hauptstraße nahe dem Ort Lupane im Westen des afrikanischen Krisenstaates gestoppt und anschließend inhaftiert worden. Unklar blieb zunächst, was ihm vorgeworfen wurde. Es wurde aber damit gerechnet, dass Tsvangirai wegen angeblicher Verunglimpfung des Mugabe-Regimes der Prozess gemacht werden könnte. Nach Angaben der MDC deutete alles darauf hin, dass mit dem Gerichtsverfahren der Wahlkampf der Opposition massiv gestört werden solle.

Tsvangirai hatte die Präsidentenwahl von Ende März gewonnen, hatte aber ebenso wie Amtsinhaber Robert Mugabe keine absolute Mehrheit erzielt. Seitdem wurden nach Berichten staatlicher Medien bereits mehrere Dutzend Abgeordnete der Opposition festgenommen. Der MDC zufolge wurden außerdem mehr als 50 ihrer Anhänger getötet und tausende aus ihren Häusern vertrieben.

Tsvangirai war entgegen seinen Befürchtungen nach seiner Rückkehr aus Südafrika vor fast zwei Wochen nicht verhaftet worden. Er hatte sich dort für eine Zeitlang aufgehalten, weil Mugabe im Anschluss an die Parlament- und Präsidentschaftswahl eine Terrorkampagne gegen die Opposition begonnen hatte, die bis heute anhält. Vor seiner Rückkehr hatte Tsvangirai zudem die Befürchtung geäußert, Ziel eines Anschlags der Sicherheitskräfte zu werden.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf der Regierung in Harare vor, die Kontrolle von Nahrungsmittelhilfen zur Einschüchterung von Wählern zu missbrauchen. „Die Entscheidung, Menschen hungern zu lassen, ist ein weiterer Versuch, Nahrung als politisches Instrument einzusetzen“, sagte der Simbabwe-Experte der Organisation, Tiseke Kasambala. Die Behörden in Harare haben die Hilfsorganisation CARE International angewiesen, ihre Tätigkeit in Simbabwe einzustellen. Als Grund wurden Ermittlungen zu Vorwürfen genannt, dass CARE Wahlkampf für die Opposition betreibe. Auch andere Hilfsorganisationen wurden aufgefordert, ihre Projekte einzuschränken.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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