Simbabwe
Robert Mugabe: Diktator auf Abruf

79 Farmer gegen Simbabwes Diktator Mugabe: ein Prozess vor dem höchsten Gericht des südlichen Afrika, zum Bersten aufgeladen mit Bedeutung. Mugabe verliert - und selbst afrikanische Nachbarn gehen nun auf Distanz. Robert Mugabes Macht in Simbabwe bröckelt.

WINDHUK. Der Tag, der seiner werden kann, auch wenn das bis vor kurzem noch unwahrscheinlich schien, beginnt mit einem heftigen Sommerregen, der die Straßen von Windhuk flutet. Der Verkehr auf der Nelson-Mandela-Avenue Richtung Innenstadt stockt. Die trockenen Flussbetten haben sich in nur einer Stunde mit Wasser gefüllt, an manchen Stellen laufen sie über. Der weiße Kleinbus, in dem er sitzt, steckt im Verkehr fest. Der Fahrer flucht, er muss Umwege fahren, damit sie noch rechtzeitig zum großen Termin kommen.

Ben Freeth, der Farmer, ein ausgemergelter Mann Ende dreißig, sitzt hinten, er beobachtet gedankenverloren die Regentropfen, die über die Scheibe rinnen. Der Bus wird nachher vor einer Turnhalle anhalten, einem renovierten Bau aus deutscher Kolonialzeit. Er, Freeth, wird die wenigen Stufen hinaufgehen, die Luft im Gerichtssaal einatmen, die noch nach frischer Farbe riecht, und warten. Wenn die Richter kommen, wird er in Gottes Hand sein.

Es ist Freitag, der Tag, an dem sich entscheidet, ob es sich gelohnt hat, alles auszuhalten, die Schmerzen, die Ängste, die Zweifel. Für ihn und die anderen, denen es ergangen ist wie ihm. Es ist ein Tag, den Simbabwe, sein Land, lange nicht vergessen wird. Es ist ein Erfolg, dass sie es bis hierhin geschafft haben, Freeth und die 78 anderen weißen Farmer. Bis zum SADC-Tribunal in Namibias Hauptstadt, dem höchsten Gerichtshof der Entwicklungsgemeinschaft von 15 Staaten des südlichen Afrika, einem Staatenbund nach Vorbild der EU. Das Tribunal ist dem Europäischen Gerichtshof ähnlich, oft die letzte Hoffnung für Bürger.

79 Farmer gegen ihr Land - oder für ihr Land

Auf den Stufen vor dem Gebäude werden Freeth und sein Schwiegervater Mike Campbell von den Medien bestürmt, der Fall ist in der afrikanischen Welt mit Bedeutung aufgeladen wie kein anderer seit Jahren.

79 weiße Farmer haben gegen Simbabwes Diktator Robert Mugabe geklagt, weil sie willkürlich enteignet wurden. Viele mit roher Gewalt. Sie werfen der Regierung vor, gegen die Gesetzesgrundlage der Staatengemeinschaft verstoßen zu haben, die auf Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten fußt. An diesem Tag wird das Tribunal sein Urteil fällen. Das erste. Im ersten Fall, in dem auf dem afrikanischen Kontinent eine Regierung für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen wird. Lange, viel zu lange haben fast alle Nachbarn Mugabe gewähren lassen, in falsch verstandener Solidarität aus alten Freiheitskämpfertagen - vor allem Südafrika, die Großmacht der Region, während der Präsidentschaft des kürzlich geschassten Thabo Mbeki. Jeder souveräne Staat solle seine Probleme ohne Einmischung von außen lösen, das war die Devise. Bisher.

Dieser Tag aber ist ein Einschnitt. 79 Farmer gegen ihr Land - oder für ihr Land. Je nach Sichtweise. Simbabwe ist abgewirtschaftet. Die Inflationsrate in Afrikas einst reichstem Land liegt offiziell bei 231 Millionen Prozent, das ist absoluter Weltrekord. Es gibt so gut wie nichts mehr. Keine Lebensmittel, kein Benzin, kaum Strom, kein warmes Wasser. Oft auch keine Hoffnung mehr. Jetzt grassiert die Cholera, sie hat Hunderte Menschen hinweggerafft, weil es weder Medikamente noch sauberes Trinkwasser gibt. Bis Jahresende, fürchten die Vereinten Nationen, braucht die Hälfte der Bevölkerung Nahrungsmittelhilfe.

Seite 1:

Robert Mugabe: Diktator auf Abruf

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%