Simbabwes Kampf um Land: First Lady enteignet die Enteigner

Simbabwes Kampf um Land
First Lady enteignet die Enteigner

Vor 15 Jahren enteigneten sie weiße Farmer und wurden als Vorkämpfer gepriesen. Doch jetzt werden Simbabwes Kleinbauern selbst vertrieben. Die Polizei enteignet sie, weil die Frau des Präsidenten mehr Land braucht.
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MazoweDas hätte sich Timon Shava nie träumen lassen. Im Jahr 2000 gehörte er sozusagen zu den Helden des Landreform-Programmes in Simbabwe, nahm mit Hunderten weiteren Kleinbauern an Enteignungen teil, an der Vertreibung weißer Farmer. Heute ist Shava obdachlos. Die Polizei hat Dutzende von Strohhütten auf einem Farmgelände zerstört, weil jemand anders es haben will: Grace Mugabe, die Frau des langjährigen Präsidenten Robert Mugabe.

Die 49-jährige First Lady besitzt einen anderen Landwirtschaftsbetrieb ganz in der Nähe und sagte im vergangenen Jahr, dass sie die Farm in einen Wildpark umwandeln wolle. Mit dem Erlös daraus könne man Geld für ein Waisenheim sammeln.

Es ist eine neue Drehung und Wendung im bereits lange andauernden Streit über Land in dieser südafrikanischen Nation. Und diesmal stehen mächtige Personen aus der Regierungspartei Zanu PF, früher eine gegen weiße Unterdrücker gerichtete Befreiungsbewegung, armen Pächtern gegenüber. Zu den mächtigen Figuren zählt Grace Mugabe, der Ambitionen auf die Nachfolge ihres 90-jährigen Ehemannes nachgesagt werden. So wurde sie im Dezember Chefin der Zanu-Frauenliga und zählte neben ihrem Mann zu den schärfsten Kritikern der - kürzlich aus ihrem Amt entlassenen - Vizepräsidentin Joice Mujuru.

Shava wurde von der Manzou-Farm in Mazowe vertrieben, einer Toplandwirtschaftsregion gut 40 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare. Die Polizei habe ihm und anderen protestierenden Pächtern gesagt, dass das Land für Grace Mugabe bestimmt sei, schilderte Shava Journalisten der Associated Press. „Sie spendeten Beifall, als wir die weißen Besitzer 2000 wegjagten. Aber jetzt werden wir wie Kriminelle behandelt. Es ist, als ob wir diesen Ort für die großen Leute verwaltet haben. Wir sind benutzt worden.“

Robert Mugabe hatte die manchmal gewalttätigen Enteignungen weißer Farmer vor 15 Jahren als Maßnahme bezeichnet, um Ungleichgewichte aus der Kolonialzeit beim Landbesitz zu korrigieren. Kritiker sagen, dass Misswirtschaft die landwirtschaftliche Produktion auf vielen der übernommenen Betriebe beeinträchtigt hat.

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„Wir wurden als Vorkämpfer gepriesen“

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