Singapur
Asiens Musterländle

Der für Sauberkeit und Ordnung berühmt-berüchtigte Stadtstaat Singapur entwickelt sich zu einem der wichtigsten Standorte der Halbleiterindustrie. Alles, was in der Branche Rang und Namen hat, hat sich am Südzipfel der malaiischen Halbinsel niedergelassen. Das rasante Wachstum kommt nicht von ungefähr.

SINGAPUR. Sie holt tief Luft, dann legt sie los: „Qimonda, zwei Millionen Euro. Intel und Micron, gemeinsam 4,7 Milliarden Dollar. NXP, 90 Millionen Euro. Soitec, 350 Millionen Euro.“ Die kleine, zierliche Frau spart sich vollständige Sätze. Sie verzichtet auch auf jede Erläuterung. Doch auch so dauert die Aufzählung der Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Singapur bereits gute fünf Minuten. Sie unterstreichen eindrucksvoll die Entwicklung des asiatischen Stadtstaates in den vergangenen Jahren: Singapur ist zu einem der wichtigsten Standorte für die weltweit umworbenen Halbleiterhersteller geworden.

Auf der ganzen Welt gibt es nur eine einzige Stadt, in der mehr Chips produziert werden als in Singapur: in Hsinchu in Taiwan. Doch Singapur entwickelt sich rasant. Obwohl rund um die Erde Dutzende Städte und Länder um die Ansiedlung neuer Halbleiterfabriken rangeln, gewinnt regelmäßig Singapur das Rennen um die Milliardeninvestitionen. Der Staat, der lange Zeit eher für seinen drakonischen Sauberkeits- und Ordnungswahn bekannt war, ebenso wie für harte Gesetze und hohe Bußgelder bei geringfügigen Vergehen, hat sich zu einem Forschungs- und Wissensstandort für die Elektronikindustrie entwickelt. Längst hat Singapur traditionsreiche Chipstandorte wie Dresden abgehängt.

Dass Schwergewichte der Branche wie der europäische Marktführer ST Microelectronics ihr Geld ausgerechnet ins schwülwarme Singapur stecken, hat viel mit Lim Swee Nian zu tun. Investoren begrüßt der für Elektronik zuständige Manager der lokalen Wirtschaftsförderung im 28. Stock des Raffles City Tower. Hoch oben über dem einstigen Hafenbecken – mit Blick auf unzählige Baukräne – wirkt die Erfolgsgeschichte, die der Mann mit dem scharfen Seitenscheitel zu erzählen hat, noch viel beeindruckender. „Wir haben eine stabile Währung, eine stabile Regierung und eine verlässliche Politik. Das zieht die Unternehmen an.“

Was der erfahrene Wirtschaftswerber Lim nicht sagt, aber sehr geschickt andeutet: Während in Europa die EU-Behörden monatelang über Beihilfegesuche debattieren, kann er Steuererleichterungen und Investitionsbeihilfen unbürokratisch in wenigen Tagen durchboxen. Ein Investor, der nicht in der Zeitung genannt werden will, sagt unumwunden: „Hier wird uns der rote Teppich ausgerollt.“

Es ist kein Zufall, dass sich so viele westliche Halbleiterunternehmen gerade in Singapur niederlassen. „Singapur weiß, dass Rechtssicherheit und der Schutz geistigen Eigentums für uns ausgesprochen wichtig sind“, sagt Ulf Schneider vom Münchener Halbleiterhersteller Infineon. Der Manager lebt schon viele Jahre hier. Der stämmige Mann leitet die Forschung der ehemaligen Siemens-Tochter in Singapur.

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