Singh in Deutschland
Shooting-Star Indien bei Hannover Messe

Vorbei ist die Zeit, da Indien im Westen nur als exotische Heimat von Gurus, Schlangenbeschwörern und Elefanten galt. Inzwischen steht das Land für gigantisches Wirtschaftswachstum, moderne Dienstleistungen und goldene Investitionsmöglichkeiten.

dpa NEU DELHI. Statt Rucksacktouristen und Hippies reisen zunehmend Geschäftsleute auf den Subkontinent, darunter immer mehr Deutsche. Der indische Premierminister Manmohan Singh besucht nun erstmals die Bundesrepublik. Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wird er am Sonntagabend (23.4.) die Hannover Messe (24.-28.4.) eröffnen, wo sich das Partnerland Indien der Welt als Industrienation präsentieren will.

Singh war es, der vor zehn Jahren als damaliger Finanzminister jene Reformen einleitete, die seinem Land inzwischen regelmäßig Wachstumsraten zwischen sieben und zuletzt gut acht Prozent bescheren. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) bescheinigt Indien das Potenzial, das Wachstum bei anhaltenden Wirtschaftsreformen und einem Ausbau der Infrastruktur auf bis zu zehn Prozent steigern zu können. Im Rausch der Erfolgsmeldungen geht allerdings oft unter, dass Indien die Schatten der Vergangenheit noch lange nicht besiegt hat. Immer noch lebt knapp ein Drittel der 1,1 Mrd. Inder unterhalb der Armutsgrenze. Gerade mal gut 30 Mill. Inder zahlen Einkommensteuer. Mehr als jeder Dritte Inder über 15 kann nicht lesen und schreiben.

Auch das von der indischen Regierung propagierte gigantische Heer von 300 Mill. Mittelschicht-Indern ist nur deshalb so groß, weil jede Familie dazu gezählt wird, deren Haushaltseinkommen 5 000 Dollar im Jahr übersteigt. Trotzdem: In Indien geht es mit großen Schritten voran. Dass das Land einer der wachstumsstärksten Zukunftsmärkte ist, haben inzwischen auch deutsche Wirtschaftsvertreter erkannt. Sie gäben sich in Indien die Klinke in die Hand, sagt der Geschäftsführer der deutsch-indischen Handelskammer, Bernhard Steinrücke, in Bombay. „Indien ist in diesem Jahr das Land schlechthin.“

In den vergangenen zwei Jahren habe sich ungeheuer viel getan, sagt Steinrücke. „Indien hat in Deutschland einen völlig neuen Stellenwert.“ Fast täglich komme eine neue deutsche Firma nach Indien. Inder investieren zudem zunehmend in Deutschland. Auch der bilaterale Handel verzeichnet zweistellige Zuwachsraten und dürfte in diesem Jahr nochmal kräftig zulegen. Der Dachverband der indischen Industrie- und Handelskammern, FICCI, wertet Singhs Besuch in Deutschland und den Status Indiens als Partnerland der Hannover Messe 2006 denn auch als Symbol für die immer besseren Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Trotzdem gibt es Nachholbedarf: Im Außenhandel Deutschlands belegte Indien im vergangenen Jahr einen mageren 38. Platz. Bei jährlichen Investitionen in Indien fiel Deutschland gar von Rang vier im Jahr 2004 auf Rang acht zurück. Die wirtschaftliche Entwicklung Indiens gleiche einem Zug, der angerollt sei, auf den man aber noch aufspringen könne, sagt ein deutscher Wirtschaftsexperte in Neu Delhi. Deutschland habe den Zug noch nicht verpasst, müsse aber darauf Acht geben, sich nicht abhängen zu lassen.

Wie bitter verpasste Chancen sein können, dürfte man bei VW erfahren haben - so erzählt man sich jedenfalls beim indischen Autobauer Maruti. Dort heißt es, Anfang der 80er Jahre habe man gemeinsam mit VW einen Kleinwagen für den Subkontinent bauen wollen. VW habe nicht gewollt, also habe man mit Suzuki kooperiert. Der Maruti-Suzuki-Kleinwagen, der Maruti 800, war lange das meistverkaufte Automodell in Indien und den Nachbarländern. VW überlegt seit Jahren, ob es in Indien eine eigene Produktionsstätte aufbauen soll. Entschieden ist immer noch nichts.

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