Sinn legt Euro-Austritt nahe

Griechenland kämpft um nächste Hilfstranche

Das älteste Sorgenkind der Euro-Zone braucht wieder einmal Geld. Insgesamt 8,8 Milliarden Euro aus dem internationalen Hilfspaket sind fällig. Doch noch hat Griechenland die Bedingungen dafür nicht komplett erfüllt.
Update: 28.04.2013 - 20:45 Uhr 32 Kommentare
Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras (rechts) und Gesundheitsminister Andreas Lykouretzos verfolgen die Debatte im Parlament. Quelle: dpa

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras (rechts) und Gesundheitsminister Andreas Lykouretzos verfolgen die Debatte im Parlament.

(Foto: dpa)

AthenAthen drückt aufs Tempo, um die nächsten Tranchen der internationalen Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 8,8 Milliarden Euro zu bekommen. Voraussetzung dafür ist die Billigung eines neuen Gesetzesbündels im Parlament, mit dem unter anderem 15.000 Staatsbedienstete bis Ende 2014 entlassen werden sollen. Zudem soll eine neue Grundbesitzsteuer erhoben werden. Wie Parlamentspräsident Evangelos Meimarakis mitteilte, soll die Abstimmung am späten Sonntagabend stattfinden.

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntagabend vor dem griechischen Parlament in Athen gegen die geplanten Massenentlassungen von Staatsbediensteten demonstriert. Die Kundgebung verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, wie Reporter vor Ort berichteten, die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf rund 3000.

Griechenland ist das erste von inzwischen fünf Ländern der Eurozone, dass seit 2010 mit Kreditzusagen der Europartner vor dem Kollaps bewahrt wird. Mittlerweile hängen auch Portugal, Irland, Spanien sowie Zypern am internationalen Geldtropf.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, brachte zur Stärkung des Eurosystems einen befristeten Austritt von Krisenländern aus der Währungsunion ins Gespräch. Als erste Kandidaten für solch ein Szenario nannte der Ökonom in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ Griechenland und Zypern. Anschließend könnten diese Länder wieder wettbewerbsfähig werden „und später zum neuen Wechselkurs, also zu kleineren Preisen und Löhnen, wieder in den Euro zurück“.

In Athen mahnte Finanzminister Ioannis Stournaras, die Billigung des Gesetzes sei absolut notwendig. „Am Montag wird die Arbeitsgruppe der Eurogruppe über die 2,8 Milliarden (Euro) und am 13. Mai die Eurogruppe über die restlichen sechs Milliarden (Euro) entscheiden“, sagte Stournaras dem Fernsehen des Parlamentes (Vouli).

Die Opposition kritisierte das Gesetz und die Eile, mit der es durch das Parlament „gepresst“ werde. „Wir haben hier eine Troika-Memorandum-Diktatur“, sagte der Sprecher der stärksten Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza), Panagiotis Lafazanis, im Parlament. Die Regierung handle nach den Geboten der Geldgeber aus EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) und nicht nach den Regeln des Parlamentes.

Die Geldgeber hatten sich am 15. April mit den Sparanstrengungen der Regierung in Athen zufrieden erklärt. Die griechische Regierung könne deshalb mit der Auszahlung einer weiteren Finanzhilfe in Höhe von 2,8 Milliarden Euro rechnen, wenn es - wie es damals hieß – „in naher Zukunft“ die für März gesetzten Ziele erreiche.

Vorbedingung für die Hilfe bleibt aber, dass Athen beim Eintreiben von Steuern und bei der Entlassung von unfähigen oder überflüssigen Staatsdienern nicht nachlasse.

  • dpa
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32 Kommentare zu "Sinn legt Euro-Austritt nahe: Griechenland kämpft um nächste Hilfstranche"

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  • wenn WIR nicht umdenken im SEPTEMBER faerht man mit uns voll an die Betonwand, unglaublich was Merkel und Schaeuble und die in BRUESSEL mit uns anrichten !

  • keine Fortschritte, keine Einsichten, schade, dass man diese
    "Retter" nicht einbuchten kann, sie dienen anderen Interessen.

  • was für diletantische Kommentare hier.
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    Peinlich ist nur, wenn man nicht weiß, wie "dilettantisch" geschrieben wird!
    Das hat aber Niveau, darauf können Sie stolz sein.

  • Vielleicht sollten wir aufhoeren all diese armen Laender zu beschuldigen. Der Euro ist ja auch noch nicht zu Ende gedacht - es gibt ja noch eine Warteliste. Ich denke, alle diese Laender hatten keine andere Alternative.

    Es gab vor dem Euro unzaehlige Stimmen, die vor dem heutigen Chaos gewarnt haben. Es war ja auch nicht schwer, die Probleme nicht zu erkennen. Es war viel schwerer, sie zu ignorieren.

    Egal wie (wir haben ja die Probleme jetzt), seit Helmut Kohl und bis zu seiner Ziehtochter Merkel wurde keine befriedigende Loesung fuer diesen Euro gefunden. Bei soviel Zeit und so wenig Ergebnissen darf man einfach nicht weitermachen wie bisher. Ich denke, die hatten genug Zeit die damaligen Euro-Zweifler an den Pranger zu stellen. Heute stehen sie selber am Pranger. Waere ja nicht so schlimm, wenn nicht der deutsche Buerger gewaltige Summen dafuer aufbringen muesste. Aber so darf es nicht weitergehen.

  • Griechenland benötigt doch gar kein Hilfspaket mehr - sie wollen doch Deutschland auf Hunderte von Milliarden aus Kriegszeiten verklagen. Bis das geklärt ist, sollten wir keinen Cent mehr geben oder garantieren. Und ansonsten ganz entspannt abwarten...

  • Griechenland entwickelt immer dann Initiative, wenn es um das Geld anderer Länder geht. Ist das Katasteramt schon voll funktionsfähig oder fehlt es immer noch an Zeit und Beamten?

  • Wie können Sie nur soetwas schreiben?
    Wegen der Fake-Hypotheken-Papiere aus den USA sind viele Banken in Europa fast kolabiert und wurden mit Staatsgeldern gerettet. Das führte dazu, dass die Staaten nun überschuldet sind. Im Falle Griechenlands kommt noch die eigene Misswirtschaft hinzu. Deshalb ist Griechenland Bankrott. Ohne Euro und Deutschland würden alle Griechen Alles verlieren und Jahrzehnte brauchen, um den Lebensstandard von Afganistan zu erreichen.
    Wir geben unser Geld, damit das nicht passiert. Wie bei jedem Kredit muss aber die Ursache für die Überschuldung abgestellt werden. Sie haben zu hohe Staatsausgaben, sprich zu viele Vettern in den Ämtern.

    Was hat das nun mit Nazi-Deutschland zu tun? Ihre Worte sind nur ein dummes Ablenkungsmanöver.Sie wollen nicht akzeptieren, dass Ihr Land sich selbst in den Ruin getrieben hat. Stattessen beschimpfen Sie ihre Helfer, das deutsche Volk.

  • Das Loch im Boden des Fasses wird immer größer. Darum AfD wählen, damit der Spuk beendet wird!

  • Dann wird es richtig lustig, weil dann Eurobonds kommen. Kosten für jeden Haushalt in Deutschland zu Beginn ca. 250-1000 EUR im Jahr, Tendenz steigend weil dann jegliche Reformbemühungen schlagartig aufhören werden. Das bedeutet, dass Europa dann in 10-20 Jahren wieder vor der gleichen Situation stehen wird nur dass man dann keine Eurobonds mehr einführen kann. Kosten für jeden Haushalt in Deutschland dann ca. 3000-8000 EUR / Jahr allein für die Bonds, zusätzlich dann aber noch Transferkosten damit der EUR erhalten werden kann.

  • Nein, kein Dauerauftrag, sondern eine Einzugsermächtigung ;-) Unsere Noch-Regierung kennt sich doch aus mit Ermächtigungen, oder?
    Also: AfD

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