Sipri-Rüstungsbericht
Deutschland rüstet sich gegen den Trend

Im vierten Jahr in Folge geht der weltweite Umsatz mit Waffen und Rüstungen zurück – unter anderem durch weniger Geschäft in Westeuropa. Deutschland allerdings dreht sich gegen den Wind – und weist ein dickes Plus auf.

Düsseldorf/StockholmIn der Rüstungsindustrie macht Amerika niemand etwas vor: Die Vereinigten Staaten sind der übergroße Platzhirsch, wenn es darum geht, Waffen und Rüstungen an den Mann zu bringen. 39 der 100 größten Rüstungskonzerne weltweit stammen aus den USA, ihr Anteil am Gesamthandel beträgt 54,4 Prozent. Das geht aus einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri für das Jahr 2014 hervor. Die Branche insgesamt ist im vierten Jahr in Folge leicht rückläufig – der Rückgang mit 1,5 Prozent allerdings auch durchaus überschaubar. Ausschlaggebend dafür sind laut Sipri die gesunkenen Verkäufe in USA und Westeuropa.

In Deutschland hingegen drehten die Zahlen im vergangenen Jahr deutlich ins Plus. Mit Rheinmetall (Platz 31), Thyssen-Krupp (42) und Krauss-Maffei Wegmann (83) sind zwar nur drei deutsche Unternehmen in den Top 100: Doch entgegen dem Gesamttrend stieg der Umsatz mit Waffen und Rüstungen in Deutschland im Jahr 2014 um fast zehn Prozent.

Insbesondere der Industriekonzern Thyssen-Krupp (+ 29,5 Prozent) sorgte für diese vergleichsweise hohe Wachstumsrate. Die Zahl ist deshalb so auffällig, weil der Umsatz in Westeuropa insgesamt um 7,4 Prozent sank – unter anderem in Frankreich, Großbritannien und Italien.

Den mit Abstand größten Sprung machte die russische Rüstungsindustrie: Unter den 100 größten Waffenschmieden weltweit stammten 2014 elf Firmen aus Russland und damit zwei mehr als im Vorjahr. Die russischen Waffenverkäufe stiegen demnach binnen Jahresfrist um 48,4 Prozent an und machten 10,2 Prozent des weltweiten Waffenhandels aus. „Russische Unternehmen reiten auf einer Welle von ansteigenden nationalen Rüstungsausgaben und Exporten“, erklärte Sipri-Forscher Siemon Wezeman. In der Ukraine allerdings machte sich die anhaltende Krise im Osten des Landes deutlich bemerkbar: Das Vorzeigeunternehmen UkrOboronProm fiel etwa im Gesamtranking von der 58. Stelle auf Platz 90 zurück.

Kaum Veränderungen gab es derweil in den Top Ten: Lediglich der amerikanische Dienstleistungskonzern L-3 Communications rückte für das Transportunternehmen Thales aus Frankreich ins oberste Ranking. L-3 Communications finden sich in bester nationaler Gesellschaft – sieben der zehn umsatzstärksten Rüstungsunternehmen sitzen auf US-Boden.

Der führende amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin zieht an der Spitze weiter einsam seine Kreise. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um knapp vier Prozent auf 37,5 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Boeing setzt als Zweitplatzierter 28,3 Milliarden Dollar um – Waffen und Rüstungen machen dort aber auch nur 31 Prozent des Gesamtgeschäftes aus.

Experten vermuten, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, nachdem Lockheed in diesem Jahr den bekannten US-Helikopterhersteller Sikorsky übernommen hatte. „Der Abstand zwischen Lockheed und den anderen Unternehmen in den Top Ten wird in den nächsten Jahren nur noch größer“, sagt Sipri-Direktor Aude Fleurant.

Nicht im Ranking vertreten sind chinesische Unternehmen – obwohl sie es laut Sipri eigentlich sein müssten. Allerdings hätten, so das Stockholmer Friedensforschungsinstitut, keine glaubwürdigen Datensätze zur Verfügung gestanden. So sind „nur“ fünfzehn asiatische Konzerne in den Top 100 vertreten – die Dunkelziffer dürfte durch die chinesische Abwesenheit um einiges höher sein.

Leonidas Exuzidis
Leonidas Exuzidis
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
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