Sitten-Patrouille
Londoner Islamisten wollen Scharia einführen

Islamisten wollen sich Ost-London zurechtbiegen: Videos zeigen vermummte selbsternannte Sittenwahrer, die Unwürdige vor Moscheen vertreiben. Die islamische Gemeinde der britischen Hauptstadt distanziert sich entsetzt.
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LondonEine Gruppe bärtiger Männer zieht nachts durch die Straßen des Londoner Viertels Waltham Forest. Sie halten rote Schilder mit Slogans wie „Keine Prostitution“ und „Schmeißt die Freier raus“ in die Luft, reißen Sex-Werbezettel von Telefonzellen und rufen Prostituierten zu: „Verschwindet von unseren Straßen!“ Mit solchen Aktionen wollen die Islamisten nach ihren Worten den unzüchtigen Lebensstil der Menschen stoppen. „Und wir hoffen, dass sich unsere Kampagne in ganz Europa ausbreitet“, sagt Abu Usamah vom „Shariah Project“ der Nachrichtenagentur dpa.

In seinem Stadtteil leben über 250 000 Menschen. Fast die Hälfte von ihnen hat einen Migrationshintergrund. Jeder Fünfte ist Muslim. Diese ethnische und religiöse Vielfalt gibt es nicht zuletzt wegen der britischen Kolonialgeschichte zwar in der gesamten Multikulti-Metropole, aber Waltham Forest ist eines der Viertel mit der höchsten Konzentration von Islam-Gläubigen. Deswegen ist es für Abu Usamah und seine Mitstreiter die ideale Gegend, um die Scharia einzuführen. Nach der Auslegung von Extremisten wie ihnen ist die islamische Rechts- und Lebensordnung allerdings nicht mit demokratischen Werten vereinbar.

So erhofft sich Abu Usamah von der Kampagne, dass sie das „Übel von Demokratie und Gesetzen aus weltlicher Hand entlarve“ und bekehrte Nicht-Muslime folglich zum Islam konvertieren. Erste Erfolge auf dem Weg dahin will er bereits erkannt haben. „Unsere Aktion "Nein zur Prostitution" hat viel Unterstützung innerhalb unserer Gemeinschaft bekommen und es gibt schon weitere Patrouillen in Großbritannien“, sagt er. Von einer dieser Sub-Gruppen tauchte Anfang des Jahres ein YouTube-Video auf, das bis in die arabische Welt für Aufsehen sorgte.

Darin zieht eine vermummte Gang von muslimischen Jugendlichen als selbst ernannte „Muslim Patrol“ durch Stadtteile im Osten Londons und vertreibt dort betrunkene Männer, Homosexuelle und leichtbekleidete Frauen. „Dies ist eine muslimische Gegend, geht weg aus der Nähe der Moschee“, rufen sie den Passanten in harschem Tonfall zu. Eine Frau setzt sich dagegen zur Wehr: „Ich bin entsetzt! Das hier ist Großbritannien! Hier haben Frauen Rechte!“ Doch die Männer lassen sich auf keine Diskussion mit ihr ein. „Wir respektieren niemanden, der Gott nicht gehorcht.“

Die Ost-London-Moschee distanzierte sich nach der Veröffentlichung des Videos sofort von den jungen Islamisten. „Diese Aktionen sind absolut inakzeptabel und nur dafür gedacht, Spannungen zu erzeugen und Zwietracht zu säen. Wir verurteilen dies zutiefst“, hieß es in einer offiziellen Meldung der Moschee. Shams Adduha Muhammad, Direktor des Ebrahim Colleges, sieht in der Gang eine kleine Randgruppe, die den Islam mit ihren demokratiefeindlichen Ansichten in ein falsches Licht rücke. „Wir werden immer Extremisten in jeder Religion und in jeder Rasse haben und wir werden dieses Problem weiterhin gemeinsam anpacken“, heißt es auf seinem Blog.

Auf die nächtlichen Patrouillen reagiert auch die Polizei in London. „Wir nehmen diese Vorgänge sehr ernst und verfolgen jede Spur, um die betroffenen Personen zu identifizieren und zu bestrafen“, sagt ein Polizeisprecher auf Anfrage. Seit Ende Januar hätten die Ermittler bereits sechs verdächtige Personen festgenommen.

Abu Usamah ist ebenfalls kein Fan der „Muslim Patrol“. Nicht etwa, weil er die Jugendlichen für ihr radikales Vorgehen verurteilt. Im Gegenteil: Ihm geht die „Bürgerwehr“ nicht weit genug. „Wir glauben, dass eine kleine Gruppe nichts an Problemen wie Alkohol, Nacktheit und Prostitution ändern kann, solange der Westen diese Dinge erlaubt“, sagt er.

Deswegen gehen er und seine Glaubensbrüder unmaskiert in die Öffentlichkeit, drehen Filme von ihren Aktionen und stellen sie ins Internet. „Unser Ziel ist die Einführung von Gottes Gesetz auf Erden.“ Erst in London. Dann überall.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • An UnausgeschlafeneDemokratur:

    Na gut, der Aufschrei wird jedes Jahr größer. Aber was würden Sie denn gegen die Entwicklung tun? Den Islam oder eine islamische Partei verbieten? Wird man wohl nicht tun können, solange die Gesetze des Rechtsstaates, in dem wir leben, nicht verletzt werden.

    Bleibt also was? Den islamischen Jugendlichen, der eine türkischstämmige Christin auf offener Straße als Christenhure beleidigt, anzuzeigen oder ihm mit einer Anzeige zu drohen? Da hat der Typ aber jetzt Angst!

    Religionsfreiheit? Kein Problem, solange andere Menschen nicht persönlich durch Attacken in Wort und Hand terrorisiert werden.

    Toleranz? Aber sicher. Nur hört meine Toleranz gegenüber anderen Leuten auf, die gerade jene Toleranz mit Füßen treten.

    Ich persönlich achte per Wahlomat vor jeder Wahl sehr genau darauf, was die Parteien in ihren Programmen anbieten, und werde eine solche Partei, die Islamunterricht in deutschen Schule propagiert, keines Falls wählen.

    Es ist ja immer schön, solche Sprüche wie "wehret den Anfängen" zu lesen. Früher hätte das geheißen, die Waffe in die Hand zu nehmen, und die Freiheit zu verteidigen. Nur ist es glaube ich für den nächten blutigen Religionskrieg noch zu früh. Aber in 100 Jahren...

  • Nun begreifen es offenbar immer mehr, dass der Islam eben für uns nicht die tolle "Bereicherung" ist, wie unser antideutschen Politiker uns immer weismachen wollen
    Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Studie herausgegeben, wonach die Mehrheit den Islam als Bedrohung sieht.
    Wenn schon die Bertelsmannstifung so etwas heraus gibt, könnte es evtl. endlich mal zu einer großen Diskussion führen.
    Hier der Links aus der WELT
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article115664989/Jeder-Zweite-haelt-den-Islam-fuer-eine-Bedrohung.html?wtmc=nl.wdwbaufmacher

  • Wie kommen Sie denn auf hundert Jahre. Eher schätze ich mal, wird die ein oder andere Partei vereinnahmt und ihrer Selbständigkeit im Abendland beraubt, weil Fremdbestimmung voll im Trend liegt. Man wird es wohl kaum glauben, alle wissen es, keiner schaut hin und harre der Dinge, die seiner bedürfen. Und dann alles, weil bereits seit Jahren die Politik in den Hirnen derer, die es ausbaden müssen, Demokratie verstanden wird, daß es andere für einen richten.

    Der Aufschrei wird mit jedem Jahr größer, leider nur der Aufschrei. Sollte es dennoch vorher passieren, daß sich solche Kräfte anschicken eine Partei zu gründen, hole ich den von mir im Jahre 2004 gegründeten Verein wieder hervor, der in seiner Satzung festgehalten hat, sollte dies, was hier beschrieben in der Tat auch folgen. Da hat multi-kulti ohnehin bald Schluß.

    Wo Minderheiten Mehrheiten vereinnahmen können, da hat es eine gehörige Schieflage im Verständnis von Demokratie, die wir nun mal nicht haben, was denen zupaß kommt, Dinge für sich in Anspruch zu nehmen, welche ihnen auf Grund der (noch) Mehrheitsverhältnisse nicht zustehen.

    Vielleicht übernehmen wir einfach nur noch das Mehrheitswahlrecht, dann wird ihnen geholfen werden, aufs Pferd und hopp, die Welt wird automatisch eine andere. Nicht meine.

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