Situation noch unklar
Schiitenführer Sistani will Kontrolle in Nadschaf übernehmen

Die Lage in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf ist weiter unklar. Laut Agenturberichten entfernen Anhänger des Predigers Sadr Waffen aus der Moschee. Schiitenführer Sistani werde dann die Kontrolle übernehmen.

HB BERLIN. In dem Konflikt um die seit Wochen umkämpfte Imam-Ali-Moschee in Nadschaf zeichnet sich möglicherweise eine Lösung ab. Allerdings ist die Situation derzeit noch unklar. Es gibt Meldungen, die sich teilweise widersprechen. So soll die irakische Polizei entgegen offiziellen Angaben die Moschee noch nicht kontrollieren, wie der US-Sender CNN berichtet.

In der Moschee und dem nahe gelegenen Friedhof sollen sich demnach Anhänger des radikalen Predigers Muktada al Sadr weiter verschanzt halten. Der Schiitenprediger soll sich überdies noch in Nadschaf aufhalten.

Unterdessen meldet die Nachrichtenagentur AP, schiitische Milizionäre seien dabei Waffen aus der Moschee zu entfernen. Al Sadr soll zudem angeboten haben, dem schiitischen Großayatollah Ali al Sistani die Kontrolle über die Moschee zu übergeben.

Der Geistliche erklärte sich demnach grundsätzlich dazu bereit. Wenn die Milizionäre das Gelände der Moschee verlassen wollten, dann werde al Sistani «diese Schlüssel entgegennehmen», sagte ein Mitarbeiter des Großayatollahs, Scheik Hamed Chafaf, am Abend in London, wo sich Al Sistani derzeit in medizinischer Behandlung befindet. «Bis jetzt ist das noch nicht passiert.»

Für Verwirrung sorgte eine Erklärung des irakischen Innenministeriums, Polizisten seien in die Moschee vorgerückt und hätten 400 Kämpfer von al Sadrs Mahdi-Miliz festgenommen. Journalisten vor Ort widersprachen den Angaben: Kein einziger Polizist habe den Schrein betreten, und es habe dort auch keine Festnahmen gegeben.

In den Straßen waren am Abend noch gelegentlich Schüsse zu hören. Die irakische Übergangsregierung, die am Donnerstag noch mit der Erstürmung des Schreins gedroht hatte, zeigte sich am Freitag wieder nachgiebiger. «Wir wollen eine friedliche Lösung», sagte Ministerpräsident Ijad Allawi dem BBC-Hörfunk. Allawi hatte tags zuvor einen «letzten Aufruf» an die Aufständischen gerichtet, das schiitische Heiligtum zu verlassen.

Derweil teilte am Freitag das italienische Außenministerium in Rom mit, dass im Irak ein italienischer Journalist vermisst werde. Es handele sich um Enzo Baldoni, ein freier Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins «Diario». Der Reporter halte sich vermutlich in Nadschaf auf. Er habe sich über 24 Stunden lang nicht bei der italienischen Botschaft in Bagdad gemeldet, hieß es weiter. Da er kein Satellitentelefon besitze, habe man ihn auch nicht kontaktieren können.

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