Situation unterschätzt
USA sehen sich in Irak "nahe am Krieg"

Die US-Regierung hat eingeräumt, vor einem Sicherheitsproblem in Irak zu stehen. US-Vizeaußenminister Armitage sieht die USA in einen Aufstand verwickelt, der "ziemlich nahe an einem Krieg" sei.

HB BERLIN. Die USA bekommen die instabile Lage in Irak nicht in den Griff. Die USA seien "in einen Aufstand verwickelt, und das ist ziemlich nahe an einem Krieg", sagte US-Vizeaußenminister Richard Armitage in Bagdad. Indirekt gab der Vize-Minister zu, dass die Vereinigten Staaten die Situation in Irak unterschätzt haben könnten. "Wir haben ein Sicherheitsproblem", sagte Armitage. Allerdings sei er davon überzeugt, "dass wir einen sehr handfesten Plan haben, um diese Leute zu kriegen, die uns und die Iraker töten."

Trotz der zunehmenden Anschläge stehe ein Abzug der US-Truppen aber nicht zur Debatte, sagte Powell gegenüber der Presse. Es sei übertrieben, bei den Angriffen von einem Albtraum zu sprechen. In Bagdad waren am Samstagabend drei Detonationen zu hören. Berichte über Schäden lagen zunächst nicht vor.

Unterdessen kündigte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) einen weitgehenden Rückzug aus Irak an. Die Büros in Bagdad und Basra würden geschlossen, sagte Sprecher Florian Westphal. Bei einem Anschlag auf das Bagdader Hauptquartier der Organisation waren vor zwei Wochen zwölf Menschen getötet worden.

In Tikrit gingen die US-Streitkräfte in der Nacht zu Samstag gegen mutmaßliche Aufständische vor. Nach dem Absturz eines Militärhubschraubers in der Nähe der Stadt bombardierten US-Kampfflugzeuge die Unfallstelle. In Tikrit zerstörten Soldaten drei Gebäude, die nach ihrer Überzeugung Irakischen Kämpfern als Versteck dienten. Zudem wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Bei dem Absturz des Hubschraubers waren sechs Soldaten ums Leben gekommen. Die Maschine wurde nach Vermutungen der US-Streitkräfte abgeschossen; womit, war am Samstag aber weiterhin unklar. In Falludscha kamen bei der Detonation einer Bombe am Straßenrand zwei US-Soldaten ums Leben. Auf der Straße von Falludscha nach Ramadi wurde ein US-Konvoi beschossen, drei Fahrzeuge gingen in Flammen auf.

Auch in Mossul wurde nach Berichten von Augenzeugen ein Militärkonvoi beschossen. Die Soldaten seien leicht verletzt geflohen. In Nacht zu Samstag war in Mossul eine Polizeiwache unter Mörserbeschuss geraten, ein Anwohner wurde leicht verletzt. Am Samstag wurde nach Angaben der Besatzungstruppen in der Stadt ein Waffenlager mit über 400 Granaten entdeckt. Sieben seien Verdächtige festgenommen worden. Aus der südöstlich von Mossul gelegenen Stadt Kirkuk wurde die Festnahme eines der früheren Leibwächters von Saddam Hussein gemeldet.

Nach Einschätzung der US-Zivilverwaltung liegen in geheimen Massengräbern bis zu 300.000 Opfer des Regimes von Saddam Hussein verscharrt. Es handele sich überwiegend um bei Aufständen in den 80er und 90er Jahren getötete Kurden und Schiiten, sagte die Menschenrechtsbeauftragte der Behörde, Sandy Hodgkinson.

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