Sitz im Sicherheitsrat
Guatemala und Venezuela sorgen für Wahlkrimi bei der Uno

Wahlkrimi bei den Vereinten Nationen: Die Uno-Vollversammlung konnte sich bisher nicht einigen, wer den lateinamerikanischen Sitz im Sicherheitsrat erhalten soll. Im Rennen sind Guatemala und Venezuela. Ein Kandidat passt vor allem den USA nicht.

HB NEW YORK. Nach zehn ergebnislosen Abstimmungsrunden wurde die Wahl auf Mittwoch vertagt. In neun Abstimmungsrunden lag Guatemala deutlich vor Venezuela, verfehlte aber jeweils die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Im sechsten Wahlgang lagen beide Staaten gleichauf. Die anderen vier frei werdenden Sitze gehen an Südafrika, Indonesien, Italien und Belgien.

In späteren Abstimmungsrunden können sich auch weitere Länder aus Lateinamerika für den freiwerdenden Sitz bewerben. Als mögliche Kompromisskandidaten gelten unter anderem Costa Rica, Panama und Uruguay. Weder Venezuela noch Guatemala schienen aber bereit, ihre Kandidatur zurückzuziehen.

Der venezolanische Uno-Botschafter Francisco Arias Cardenas beklagte in New York, dass die USA Druck ausübten um zu verhindern, dass sein Land gewählt werde. „Wir kämpfen bis zum Schluss“, sagte er. Selbst der guatemaltekische Außenminister Gert Rosenthal äußerte Unbehagen über die öffentliche Kampagne der USA gegen Venezuela. Im Fall einer Wahl werde sein Land als unabhängige Stimme entscheiden. „Wir ärgern uns ein wenig darüber zu hören, dass wir uns nicht nur der Linie der USA, sondern jeder anderen Macht unterwerfen werden. Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen“, betonte er.

Die USA unterstützen Guatemala als Nachfolger Argentiniens. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hatte bereits zuversichtlich angekündigt, einen Platz im Weltsicherheitsrat als Gegengewicht zu Washington zu nutzen. Aus Diplomatenkreisen verlautete, Chavez habe den Chancen seines Landes empfindlich geschadet, als er US-Präsident George W. Bush vor der UN-Vollversammlung im September als „Teufel“ bezeichnete.

Venezuela war bereits vier Mal im Sicherheit vertreten. Guatemala hatte bislang noch keinen Sitz, hat aber zahlreiche Soldaten zu Uno-Friedensmissionen entsandt. Der Rekord für erfolglose Abstimmungsrunden liegt bei 154 im Jahr 1979. Damals standen Kuba und Kolumbien zur Wahl. Im 155. Wahlgang trat Mexiko als Kompromisskandidat an und gewann.

Der Uno-Sicherheitsrat besteht aus den fünf ständigen Mitgliedern und Vetomächten USA, China, Frankreich, Großbritannien und Russland sowie aus zehn nichtständigen Mitgliedern, die jeweils für zwei Jahre berufen werden und kein Vetorecht haben. Die Mandate der nichtständigen Mitglieder beginnen am 1. Januar.

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