Skandal in Großbritannien
Spendenaffäre bringt Tories in die Bredouille

George Osborne hat ein echtes Problem. Der Schattenminister des britischen Oppositionschefs David Cameron soll angeblich einen russischen Oligarchen um Geld gebeten haben. Die Regierung fordert radikale Schritte.

LONDON. Ein Ferienaufenthalt auf Korfu könnte den britischen Schatten-Schatzkanzler George Osborne teuer zu stehen kommen. Der zweite Mann im Team von Tory-Chef David Cameron kämpft um seine Reputation, weil der Hedgefund-Manager Nathaniel Rothschild ihm per Leserbrief in der „Times“ vorwarf, mit einem russischen Oligarchen über politische Spenden diskutiert zu haben. Solche Parteispenden wären illegal, da der Betroffene, Oleg Deripaska, kein Wahlrecht in Großbritannien hat.

Premier Gordon Brown schaltete sich im Unterhaus gestern in die Kontroverse ein und forderte eine Untersuchung durch die Behörden. Sprecher der Wahlkommission sagten, eine eventuelle Anfrage Osbornes um eine Spende stelle keinen Verstoß der Regeln dar. „Wir reden hier nicht über Korruption. Es wurde gegen keine Gesetze verstoßen“, sagte der Labour-Politiker Tony Wright, Vorsitzender des zuständigen Ausschusses.

Die bizarre Kontroverse geht auf Ferienbegegnungen in Korfu in der Villa Rothschilds und auf der Jacht Deripaskas zurück. Rothschild, Mitbegründer des Hedge-Fonds Atticus und ein Studienbekannter Osbornes, griff zur Feder, offenbar um dem britischen Handelsminister Peter Mandelson zur Hilfe zu eilen. Die britische Presse hatte sich auf Mandelson eingeschossen, weil dieser mehrfach auf der Jacht Deripaskas war – und gleichzeitig als EU-Handelskommissar Entscheidungen getroffen haben soll, die den Geschäften des Russen nützten. Rothschild drückte seine Verwunderung aus, dass die Presse nicht über Osbornes Begegnungen mit dem Russen berichte. Die britische Presse geht davon aus, dass hinter Rothschilds Leserbrief kein anderer als Mandelson selbst steht.

Tory-Chef Cameron stellte sich voll hinter seinen Finanzexperten. In einer sorgfältig formulierten Stellungnahme betont er, Osborne habe „weder um Spenden ersucht noch Spenden angenommen“. Doch die Affäre kommt für ihn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Osborne steht auch innerhalb der Torypartei unter Druck, weil er in der Finanzkrise gegenüber Premier Brown eine schwache Figur abgebe.

Nach einer am Mittwoch von dem TV Sender Channel 4 veröffentlichten Umfrage ist der Vorsprung der Tories auf nur 5 Prozentpunkte geschrumpft. Die Umfrage gibt den Konservativen 42 und Labour 38 Prozentpunkte. Eine Umfrage des Guardian gab den Tories am Montag allerdings einen 12 Punkte Vorsprung und kam zum Schluss, dass die Finanzkrise Brown nichts genützt hat.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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