Skandal überschattet Wahlkampf
Wahl-Spionage lässt Schwedens Premier hoffen

Ein Spionage-Skandal nur elf Tage vor der Parlamentswahl in Schweden kann den sicher geglaubten Sieg der bürgerlichen Opposition über die regierenden Sozialdemokraten gefährden.

HB STOCKHOLM. Im Mittelpunkt der Affäre steht die liberale Volkspartei, die sich mit den Konservativen, Christdemokraten und der bäuerlichen Zentrumspartei zur "Allianz für Schweden" zusammengeschlossen hat. Ein Mitglied der liberalen Jugendorganisation hatte über Monate hinweg Zugang zum internen Computernetz der Sozialdemokraten und beschaffte sich strategische und geheime Wahlunterlagen. Die liberale Partei konnte sich so auf neue Vorschläge der Sozialdemokraten rechtzeitig vorbereiten.

Die Folgen des Polit-Skandals sind unabsehbar: Nach einigem Zögern gab der Generalsekretär der Mutterpartei zu, von den Hackerversuchen seiner Parteikollegen gewusst zu haben. Er trat ebenso zurück wie die Pressesprecherin der Partei. Die Öffentlichkeit wird seitdem nahezu stündlich mit neuen Enthüllungen überrascht: Auch der liberale Parteivorsitzende Lars Lejonborg hat sich bei der Frage, seit wann er von den Aktivitäten wusste, in Widersprüche verstrickt. Sein Rücktritt ist nicht mehr ausgeschlossen.

Am Mittwoch kam zudem heraus, dass mindestens ein Journalist der größten Boulevardzeitung des Landes, "Expressen", Benutzernamen und Passwort für den Zugang zum sozialdemokratischen Netz gekannt und ausgenutzt hat. Er wurde beurlaubt.

Es ist nicht der erste Skandal, der den schwedischen Wahlkampf überschattet: Erst vor zwei Wochen wurde ein Mitglied der Jugendorganisation der Christdemokraten bei dem Versuch ertappt, sich bei den Jungsozialisten als Wahlhelfer einzuschleichen. Und im Frühjahr kam heraus, dass ein Angestellter in der Parteizentrale der Sozialdemokraten gezielt den damals in allen Umfragen haushoch führenden Oppositionsführer Fredrik Reinfeldt verleumdete.

Für die Sozialdemokraten unter Premier Göran Persson kommt die aktuelle Affäre wohl zum richtigen Zeitpunkt: Seine Partei, die eine Minderheitsregierung stellt, befand sich bis zur Spionage-Affäre im Stimmungstief.

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