
NEU-DELHI. Die Erwartungen der Inder waren riesig: Erstmals seit mehr als 25 Jahren veranstaltet ihr Land wieder ein sportliches Großereignis. Die Commonwealth Games, ein olympiadeähnlicher Wettstreit der 70 einst zum britischen Empire gehörenden Nationen, sollten der Welt von Indiens neuer Glorie künden. Was China mit der Olympiade vorgemacht hatte und Südafrika mit der Fußball-WM, das wollte Asiens drittstärkste Wirtschaftsmacht mit den Games nachholen. Doch wenige Wochen vor der Eröffnungsfeier am 3. Oktober in Neu-Delhi ist aus den Commonwealth Games ein Lehrstück über die allgegenwärtige Korruption in Indiens Bürokratie und ihre Folgen geworden.
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass neue Skandale bekannt werden: Dubiose Firmen haben Millionenaufträge ohne Ausschreibung bekommen. Beinah die gesamte Ausstattung von den Sportgeräten bis zu den Papierkörben wurde zu Kosten weit über dem Kaufpreis angemietet. Und die Sportstätten sind so schlampig gebaut, dass schon jetzt Gebäudeteile wieder einbrechen und das Wasser von der Decke tropft. Die Gesamtkosten des Sportereignisses, ursprünglich auf 500 Mio. Dollar kalkuliert, sind auf mehr als sechs Mrd. Dollar explodiert.
Manager klagen über Schmiergelder
"Der Finanzbetrug rund um die Commonwealth Games ist das Symptom für eine tiefe Krise Indiens", empört sich die Tageszeitung "Hindustan Times". Während die Politiker sich für Indiens Wirtschaftsboom feiern lassen, sind sie in Wahrheit wegen ihrer Bestechlichkeit die größte Bremse. "Das Wachstum wäre deutlich höher, bekäme die Regierung endlich die Korruption in den Griff", klagt Azim Premji, Chef des IT-Dienstleisters Wipro. Stattdessen fällt Indien im weltweiten Korruptionsvergleich zurück. Lag es 1999 in der Rangliste der Organisation Transparency International auf Platz 72, ist es zehn Jahre später auf Platz 84 abgerutscht.
Auch ausländische Investoren leiden darunter massiv. "Bei Behörden und Staatsbetrieben gehört die Forderung nach Schmiergeld zum System", beobachtet der Geschäftsführer der Tochtergesellschaft eines deutschen Maschinenbauers. Wie alle ausländischen Manager will er zum Thema Korruption nichts unter seinem Namen in der Zeitung lesen. Denn die Sorge ist groß, dass die angeschwärzten Behörden ihm dann noch mehr Steine in den Weg legen.
Es ist die Sache der indischen bevölkerung, das Problem zu begreifen und über Lösungen nachzudenken.
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