Skurrile Auswüchse des Shutdown
Kongressabgeordnete zahlen in Bars doppelt

Viele Bars, Kneipen und Restaurants haben spezielle Shutdown-Speisekarten und -angebote eingeführt. Bei etlichen gilt: Kongressabgeordnete zahlen doppelt. Es sind nicht die einzigen skurrilen Auswüchse des Shutdowns.
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WashingtonMit speziellen Speisekarten kennen sie sich aus, die Abgeordneten im US-Kongress. Im Jahr 2003, als Frankreich die USA nicht im Irak-Krieg unterstützen wollte, nannte das Repräsentantenhaus die „French fries“ in der Kantine kurzerhand um in „Freedom Fries“ (Freiheitspommes).

Jetzt schlagen die Kneipenwirte in Washington den Abgeordneten wegen des „Shutdowns“ der Regierung ein Schnippchen – und nutzen den Regierungsstillstand für ungewöhnliche Marketingaktionen.

Das Pizza Restaurant The Daily Dish in Silver Springs, etwa zehn Kilometer nördlich von Washington, gibt Staatsbediensteten bei Vorlage ihres Ausweises einen Kaffee aus. Allerdings nicht allen: Kongressabgeordnete lässt das Restaurant dafür doppelt zahlen. Auch das Café Kramerbooks & Afterwords Cafe in Washington „wirbt“ damit, Kongressabgeordnete gleich doppelt zur Kasse zu bitten.

Die Kneipenwirte in Washington haben bei ihren Sonderangeboten im Blick, dass viele der Staatsbediensteten nur kleine Gehälter beziehen und für sie der ausbleibende Lohn zu großen Problemen führt. Sie bieten daher den zwangsbeurlaubten Angestellten bei Vorlage ihres Mitarbeiterausweises ermäßigte Angebote: Bier für zwei US-Dollar oder ganz frei, einen Donut gratis zum Essen, ein Glas Sherry oder eine zehnprozentige Ermäßigung.

Die Gastronomen machen für sich aus dem Shutdown eine Tugend und versuchen die Staatsbediensteten in ihre Bars, Restaurants und Cafés zu holen – und bei den Lockangeboten aber gleichzeitig den Politkern einen Seitenhieb zu verpassen.

Die Capital Lounge etwa gewährt daher allen Staatsbediensteten Freibier am Mittwochabend, in der Bar Irish Whisky gibt's zehn Prozent Rabatt und im Kangaroo Boxing Club ist das erste Getränk für die Zwangsurlauber kostenlos. Mango Mike's serviert „Shutdown-Nachos“ oder Quesadillas – gratis für zwangsbeurlaubte Arbeiter.

Doch die Spezialangebote sind nicht die einzigen skurrilen Auswüchse, die der Shutdown in den USA hervorbringt. In Washington etwa halfen Kongressmitglieder US-Veteranen dabei, die Absperrungen rund um das National World War II Memorial zu durchbrechen.

Die Absperrungen waren errichtet worden, weil die Gedenkstätte wegen des Etatstreits geschlossen werden musste. Die etwa 100 Veteranen aus Mississippi, viele von ihnen in Rollstühlen, hatten den Ausflug lange geplant und ließen sich auch nicht von Absperrgittern von ihrem Besuch abhalten.

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Veteranen in Rollstühlen durchbrechen Absperrungen

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  • ich frage mich, ob die Mitarbeiter der NSA auch nach Hause geschickt wurden, das wäre jetzt doch mal eine gute Nachricht.

  • Als Jack London im Jahre 1908 seinen einzigen Science Fiction Roman "The iron heel" veröffentlichte, wollte in den Vereinigten Staaten niemand diese "Schwarte" lesen.

    Anatol France schrieb für dieses "Machwerk" ein Vorwort und war nicht eben sparsam mit Lobesworten.

    Ich habe mir die Mühe gemacht und diesen Text gelesen.
    Und was ich da im Amerika von heute, mit seiner „Plutocracy“ und seiner „Plutonomy“ sehe, es ist die Realität gewordene Welt der Eisernen Ferse. Ein durch und durch besitzstandsfaschistisches Land, ohne irgendeinen Rest dessen, was wir einst unter den USA verstanden und von den Yankees kannten, als sie noch in Berlin an der Sektorengrenze gegen die Stalinisten die Wacht an der Spree hielten.
    Gott erbarme sich der Menschen in dieser Geldwirtschaftsterrordiktatur.

  • Alle nach Hause schicken.
    Keiner wurde es merken.
    Die rechtsradikalen Teapartisten vorneweg.

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