Skurriles Interview
Yellen interviewt Yellen

Eine schöne Tradition: Die Chefredakteurin der Schülerzeitung an einer High School in Brooklyn interviewt den Besten der Abschlussklasse. Dumm nur, wenn es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt – Janet Yellen.
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New YorkMan kann viel über eine Person lernen, wenn man in ihrer Vergangenheit wühlt. Die „New York Times“ hat auf diesem Wege über die designierte neue Notenbankchefin der USA, Janet Yellen, ein ebenso skurriles wie unterhaltsames Interview mit ihr aus ihrer Schulzeit ausgegraben. Yellen war damals Jahrgangsbeste der Abschlussklasse der Fort Hamilton High School in Brooklyn (New York). Zugleich war sie auch Chefredakteurin der Schulzeitung „The Pilot“. Einer Tradition der Schule zufolge führte der Chefredakteur aber jedes Jahr das Interview mit dem Jahrgangsbesten. Also interviewte Yellen sich kurzerhand selbst.

Der tatsächlich veröffentlichte Text offenbart nicht nur schreiberisches Können und ein Talent zur feinen Selbstironie – etwa als sie von „perfekter Schludrigkeit“ schreibt oder zu einer längere Antwort über ihre Sammelfreude an Mineralien ansetzt und sich selbst mit den Worten unterbricht: „Jaja, das ist interessant, aber...“. Zum Schluss zeigt der Text auch, dass Yellen schon damals – wir reden immerhin vom Jahr 1963 – eine Meisterin in der Verwendung von „Kein Kommentar“ war, der wohl wichtigsten Phrase eines Notenbankers.

In dem Stück erfährt man außerdem, dass Yellen gerne Philosophisches liest, um „unpopuläre Aufsätze verfassen zu können“, dass sie an Dingen wie Wahrscheinlichkeitsrechnung, Matrix-Algebra und Vektorrechnung Spaß hat, und dass sie nach der High School aufs Pembroke College in Rhode Island gehen wollte, um „Mathe, Anthropologie oder Wirtschaft“ zu studieren. (Sie hatte sich natürlich längst für Wirtschaft entschieden und machte ihren Abschluss dort später mit summa cum laude, anschließend den Doktor an der berühmten Yale Universität.)

Ausgegraben hat das Yellen-Yellen-Interview Vivian Yee von der New York Times. Dafür zollt selbst der Erzkonkurrent „Wall Street Journal" mächtig Anerkennung: Das Interview ist „ohne Zweifel das beste Stück im Internet an diesem Tag“, schrieben die Kollegen am Mittwoch. Handelsblatt Online dokumentiert den Text von Janet Yellen im „Pilot“ deshalb im folgenden im Original.

Seite 1:

Yellen interviewt Yellen

Seite 2:

Das Interview im englischen Original

Kommentare zu " Skurriles Interview: Yellen interviewt Yellen"

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  • Vermutlich würde sie zu ihrer Zeit als Wirtschaftsberaterin von Clinton (97-99) auch am liebsten keinen Kommentar abgeben. Man erinnere sich: Aufweichung der Bankenregeln, Einführung von überbewerteten Hypotheken, Niedrigzinsen für Hausbauer. Erster Startschuß für die Immobilienkrise, die dann zur weltweiten Finanzkrise wurde.

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