Slowakei
Die Wirtschaft wächst noch – wenn auch langsamer

Für den Musterschüler Slowakei sind die Zeiten hoher Wachstumsraten erst einmal vorbei. Doch das Land steht in der Krise besser da als viele osteuropäische Nachbarn. Die Slowakei hat sich in den letzen zehn Jahren stark in die internationalen Märkte integriert.

BRATISLAVA. Lange galt die Slowakei als marktwirtschaftliches Vorbild unter den EU-Staaten Osteuropas - doch die Weltwirtschaftskrise macht auch vor dem Musterschüler nicht halt. Die Zeiten hoher Wachstumsraten sind wohl erst einmal vorbei.

Doch während die Slowakei zusammen mit Polen und Tschechien nur eine deutliche Verlangsamung des Wachstums oder allenfalls eine Stagnation hinnehmen muss, kämpfen andere Länder der Region wie Ungarn und die baltischen Staaten schon mit einer Rezession. Dagegen hat die Regierung in Bratislava noch Spielraum für eine moderate Krisenpolitik und muss wohl auch keine internationale Hilfe in Anspruch nehmen. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) geht davon aus, dass sich das Wachstum in der Slowakei von 6,4 Prozent in 2008 auf zwei Prozent in diesem Jahr verlangsamen wird. Noch vorsichtiger ist Frantisek Bernadic vom slowakischen Statistikamt, der für die erste Jahreshälfte nur 0,8 Prozent Zuwachs erwartet - fast ausschließlich gestützt durch die Binnennachfrage. "Ein stärkeres Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wird davon abhängig sein, wie stark das Auftragsvolumen unserer ausländischen Handelspartner steigt", betont Bernadic.

Auch die Slowakei hat sich im vergangenen Jahrzehnt stark in die internationalen Märkte integriert. Ausländisches Kapital floss ins Land, slowakische Produkte wurden gerade auch im Westen konkurrenzfähig. Doch 40 Prozent der slowakischen Ausfuhr entfallen allein auf die Fahrzeugindustrie, die bislang stark expandierte, jetzt aber in der Krise steckt und ihre Produktion zurückfahren muss. "Der Schwund der Märkte im Ausland ist momentan unser Hauptproblem", berichtet Peter Mihok, Chef der slowakischen Industrie- und Handelskammer. Besonders betroffen ist der Westen und Nordwesten des Landes, wo die Autoindustrie und deren Zulieferer angesiedelt sind.

Gerade in dieser Region steigt auch die Arbeitslosigkeit wieder an. So erwarten die WIIW-Volkswirte landesweit einen Anstieg der Arbeitslosenquote von zehn Prozent im vergangenen Jahr auf elf Prozent in diesem und zwölf Prozent im kommenden Jahr. In diesem Rahmen bewegt sich auch die Prognose des slowakischen Statistikamtes. Wegen der exzellenten Konjunktur war die Quote von 18,1 Prozent im Jahr 2004 auf den bisher niedrigsten Wert im vergangenen Jahr gesunken. Möglicherweise lindert diese Entwicklung auch den bislang vorherrschenden eklatanten Facharbeitermangel in einzelnen gewerblich-technischen Bereichen, den gerade ausländische Investoren wiederholt beklagt haben.

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