Smog-Alarm in Italien
„Lasst die Autos zu Hause“

Radfahrer tragen Atemschutzmasken, Autofahrer steigen auf den Bus um: Die Feinstaubwerte in italienischen Großstädten erreichen Rekordwerte. Mailand und Rom verhängen Fahrverbote. Und Rom organisiert einen Krisengipfel.

RomIn Rom kann man den Smog nicht sehen. Strahlender Sonnenschein  lässt seit Tagen die italienische Hauptstadt leuchten. In Mailand und Turin aber liegt eine Wolke wie Nebel über der Stadt. Kein Auto fährt bis 16 Uhr, viele Fahrradfahrer tragen weiße Masken wie in China. Smog-Alarm in Italien: Die Feinstaubwerte in den großen Städten haben Rekordwerte erreicht. Schuld ist das gute Wetter. Seit mehr als einem Monat hat es nicht geregnet, es weht kein Wind. Und bis ins neue Jahr hinein erwarten Meteorologen keine Wetteränderung.

Die Politik reagiert auf den Smog, freilich ergreifen die Städte unterschiedliche Maßnahmen. In Mailand hat Bürgermeister Giuliano Pisapia einen Verkehrsstopp verfügt. Seit Wochenanfang dürfen zwischen 10 und 16 Uhr keine Autos fahren, Elektroautos sind natürlich ausgenommen. Wer dagegen verstößt, muss 160 bis 650 Euro Strafe zahlen. Das Verbot gilt bis Mittwoch.

In Rom ist das Verbot nicht so drastisch, dort ist zwar auch die Feinstaubbelastung hoch, aber nicht so dramatisch wie in Mailand.  In der Hauptstadt gilt das Prinzip des abwechselnden Fahrens: einen Tag dürfen die Autos mit geraden Nummernschildern auf die Straße, am anderen Tag sind Fahrzeuge mit ungeraden Nummernschildern dran, je fünf Stunden vormittags und abends. Aber richtig kontrolliert wird das nicht.

In beiden Städten kann man ein Busticket für 1,50 Euro den ganzen Tag über benutzen. Auch in Neapel und anderen Städten wurde der Autoverkehr eingeschränkt. Stellt die Heizungen niedriger, appellieren außerdem die Bürgermeister, und lasst die Autos ganz zu Hause. 

Die italienische Regierung reagierte erst mit Verspätung. Erst am Montag, nach erschreckend hohen Feinstaubwerten in der Luft trotz der verkehrsruhigen Feiertage, wurde Umweltminister Gian Luca Galletti aktiv und kündigte einen Krisengipfel am Mittwoch an. Eingeladen sind Vertreter von Kommunen, Regionen, Zivilschutz und Umweltschutzverbänden. „Der Smog-Notstand in den großen Städten kann noch lange andauern und immer wiederkehren“, sagte er.  Deshalb hätten Einzelmaßnahmen keinen Sinn, man müsse koordiniert gegen die Umweltverschmutzung vorgehen.

Die Vorschläge der Regierung sind langfristig angelegt. Es geht um eine nachhaltigere Energiewirtschaft und den Austausch von veralteten Bussen und Müllwagen. Sein Ministerium habe bereits fünf Millionen Euro bereitgestellt, um den Kommunen bei Anti-Smog-Maßnahmen zu helfen, so der Umweltminister, und er könne die Ausgaben für Öko-Busse, Fahrradverleih und Fahrradwege erhöhen. Er appelliert auch an den Bürgersinn, der traditionell nicht sehr stark ist in Italien: Jeder müsse Verantwortung tragen, sagte Galletti.

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„Ein Fahrverbot bringt gar nichts“

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