Snowden trifft Menschenrechtler
Belagerungszustand im Moskauer Flughafen

Seit drei Wochen sitzt Edward Snowden im Flughafen Scheremetjewo fest. Tatsächlich? Die Gerüchte um heimliche Abflüge häufen sich. Doch heute wollen Menschenrechtsaktivisten den gesuchten Whistleblower in Moskau treffen.
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MoskauDas geplante Treffen des flüchtigen US-Geheimdienstexperten Edward Snowden mit Menschenrechtlern in einem Moskauer Flughafen ist nach Ansicht Russlands rechtens. Wer sich in der Transitzone eines Airports aufhalte, könne sich dort treffen, mit wem er wolle, sagte Justizminister Alexander Konowalow. Allein die Tatsache der Begegnung im Flughafen Scheremetjewo verstoße weder gegen russische noch gegen internationale Gesetze.

Snowden will sich am Freitagnachmittag mit ausgewählten Menschenrechtlern treffen. Eingeladen zu dem Treffen seien auch Vertreter von Transparency International, Human Rights Watch, sowie von den Vereinten Nationen, hieß es. Bei diesem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Flucht will er über seine Zukunft reden. Und dafür danken, dass Länder wie Venezuela, Bolivien und Nicaragua ihm mutig Asyl angeboten hätten. „Sie haben den Respekt der ganzen Welt verdient“, hieß es in einer Erklärung Snowdens, die Juristen und Menschenrechtler am Freitag samt Einladung zum Gespräch erhielten.

Journalisten sind zu dieser ersten Begegnung von Offiziellen mit Snowden im Terminal F von Moskaus größtem Airport nicht eingeladen. Gleichwohl erinnert die Lage in der Flughafenhalle an einen Belagerungszustand – die Hoffnung der mehr als 200 Reporter: endlich ein Augenzeugenbericht, dass der 30-Jährige tatsächlich hier ist. Denn seit seiner Ankunft aus Hongkong mit einer Aeroflot-Maschine am 23. Juni gilt der US-Bürger ohne gültigen Pass als „Phantom von Moskau“.

Niemand hat ihn bisher gesehen im Transitbereich, in dem es auch Bars, Restaurants und Unterkünfte gibt. Aber Kremlchef Wladimir Putin hat nicht nur einmal bestätigt, dass Snowden sich auf dem Airport aufhalte, ohne die russische Staatsgrenze überschritten zu haben. Immer wieder tauchen daher Gerüchte auf, Snowden sei unterwegs nach Lateinamerika, Venezuela hat dem gesuchten Whistleblower bereits Asyl angeboten. Am Donnerstag sorgte ein Flugzeug, das auf einer ungewöhnlichen Route unterwegs war, für Spekulationen auf einen heimlichen Abflug Snowdens. Der Aeroflot-Flug von Moskau nach Havanna war auf einer Strecke unterwegs, die den US-Luftraum mied.

Offenbar ist der US-Amerikaner Snowden aber immer noch in Moskau. Im Transitbereich kann der wegen Geheimnisverrats von den USA Gejagte leben, solange er will. Das hat Russland immer wieder betont. „Es gibt keine Begrenzungen. Alles hängt nur von der Größe des Geldbeutels ab“, erklärt der Direktor der mächtigen russischen Einwanderungsbehörde, Konstantin Romodanowski. Der einflussreiche Funktionär hat wie zuvor auch Wladimir Lukin, der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, angeregt, der Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen möge sich um Snowdens Schicksal kümmern. Auch die Vereinten Nationen stehen auf der Liste des Moskauer Treffens.

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Kommentare zu " Snowden trifft Menschenrechtler: Belagerungszustand im Moskauer Flughafen"

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  • @ehrlichgesagt
    NSA Software versteht keine Ironie. Sie werden ganz schnell auf eine Liste landen.....

  • jeder der eine E-Mail versendet sollte die Woerter Al-Qaida,Bin Laden,Bombe, verwenden dann haette die NSA viel zu tun.

  • Diese als Menschnrechtsaktivisten getarnten NSA-Agenten (Operation "Murat Kurnaz") denen er "unauffällig folgen" soll?

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