Snowden und der britische Geheimdienst
James Bond in Gefahr?

Seit zwei Jahren ist Edward Snowden in Russland untergetaucht. Hat er seine Gastgeber dafür mit brisanten Daten versorgt – und damit britische Geheimagenten in große Gefahr gebracht? Bürgerrechtler haben so ihre Zweifel.
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LondonBritische Zeitungsberichte, wonach Großbritannien Agenten aus exponierten Situationen in China und Russland abziehen mussten, weil sie durch Datenverrat des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden in Gefahr waren, werden in Großbritannien als „Propaganda“ in Zweifel gezogen.

„Wir haben keine Fakten bekommen, nur Behauptungen“, zitiert der „Guardian“ den konservativen Abgeordneten David Davis, der seit langem gegen Einschränkungen der bürgerlichen Freiheitsrechte durch die Anti-Terrorgesetzgebung kämpft. Davis wird allerdings sehr gut wissen, dass die britischen Geheimdienste und ihre politischen Aufseher zu Geheimdienst-Interna nie Stellung nehmen. Die „Behauptung“, Snowden habe „Blut an den Händen“, wurde oft erhoben. Ob sie sich beweisen lässt, solange die Geheimdienste geheim sind, ist eine andere Frage.

Die „Sunday Times“ hatte unter Berufung auf anonyme „hohe Offizielle“ in der Downing Street berichtet, der britische Auslandsgeheimdienst MI6 habe Spione aus „Feindländern“ abziehen müssen und bei den Kollegen vom amerikanischen CIA „Alarm geschlagen“, nachdem Russland und China verschlüsselte Daten aus Snowdens Dokumentenschatz geknackt haben.

„Russen und Chinesen haben die Informationen. Deshalb mussten wir Agenten abziehen. Das Wissen, wie wir operieren, hat uns daran gehindert, entscheidende Informationen zu bekommen“, soll eine anonyme „Downing Street Quelle“ der „Sunday Times“ gesteckt haben. Allerdings, so wird hinzugefügt, gebe es „keine Hinweise, dass jemand zu Schaden kam“.

Snowden, ein Computerexperte, der für die amerikanische NSA arbeitete, hatte 2013 heimlich 1,7 Millionen streng geheime Computerdateien kopiert und war damit zunächst nach Hongkong, dann nach Moskau geflüchtet, wo er sich weiter aufhält. Seine Enthüllungen machten die Arbeitsweise und den Umfang des Zugriffs westlicher Geheimdienste auf private Computerdaten bekannt.

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  • "Snowden, ein Computerexperte, der für die amerikanische NSA arbeitete, hatte 2013 heimlich 1,7 Millionen streng geheime Computerdateien kopiert und war damit zunächst nach Hongkong, dann nach Moskau geflüchtet, wo er sich weiter aufhält. Seine Enthüllungen machten die Arbeitsweise und den Umfang des Zugriffs westlicher Geheimdienste auf private Computerdaten bekannt.“

    Tatsächlich ist selbst der NSA die Menge der kopierten Geheimdokumente nicht bekannt. Ohne die Aussagen der amerikanischen Presse zu überprüfen, schreiben Sie in Ihrem Artikel darüber als wäre das ein Fakt.

    "As the NSA itself admits, the 1.7 million number is not the number the NSA claims Snowden downloaded — they admit they don’t and can’t know that number — but merely the amount of documents he interacted with in his years of working at NSA. Here’s then-NSA chief Keith Alexander explaining exactly that in a 2014 interview with the Australian Financial Review:

    AFR: Can you now quantify the number of documents [Snowden] stole?

    Gen. Alexander: Well, I don’t think anybody really knows what he actually took with him, because the way he did it, we don’t have an accurate way of counting. What we do have an accurate way of counting is what he touched, what he may have downloaded, and that was more than a million documents.“

    (https://firstlook.org/theintercept/2015/06/14/sunday-times-report-snowden-files-journalism-worst-also-filled-falsehoods/)

    Darüber hinaus versteht man Ihre Aussage, dass Snowden „zunächst nach Hong Kong, dann nach Moskau geflüchtet“ war, so als hätte das Snowden genauso gewollt. Tatsächlich sind aber die USA dafür verantwortlich, dass Snowden in Russland festsitzt. Snowden plante nach Südamerika zu flüchten, ehe die USA seinen Reisepass sperrten und er somit in der Transitzone im Moskauer Flughafen festsaß. Von einer „Flucht nach Moskau“ kann also wahrlich nicht die Rede sein. (siehe Link oben und das kann man auch in 2 Sekunden googlen…)

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