Snowdens Vorgänger
Das Schicksal der Geheimnisverräter

Seit es Geheimnisse gibt, gibt es auch Leute, die sie verraten. Zuletzt standen Edward Snowden oder Bradley Manning im Mittelpunkt. Im Kalten Krieg wurde oft an die Gegenseite verraten. Viele bezahlten einen hohen Preis.
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BerlinDie Enthüllung der ausufernden Internet-Überwachung durch westliche Geheimdienste hat Edward Snowden von einem idyllischen Haus auf Hawaii in den trostlosen Transitbereich des Moskauer Flughafens gebracht. Der 30-jährige Amerikaner ist aber trotz der unklaren Zukunftsaussichten noch besser dran als einige seiner Vorgänger: Er kann sich Hoffnung auf ein Leben in Freiheit machen, während viele Geheimnisverräter mit langen Haftstrafen oder ihrem Leben dafür bezahlten. Manch einer kam aber auch davon.

So etwa „Deep Throat“, der legendäre Informant, der eine zentrale Rolle im Watergate-Skandal spielte. Die „Washington Post“-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein bekamen bei geheimen Treffen in einem unterirdischen Parkhaus den Weg von einem einflussreichen Helfer gewiesen. Das ermöglichte ihnen, das volle Ausmaß der Affäre aufzudecken, die schließlich zum beispiellosen Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte. Die Identität von „Deep Throat“ blieb mehr als 30 Jahre lang eines der spannendsten Geheimnisse der amerikanischen Politgeschichte, bis sich der frühere FBI-Beamte Mark Felt schließlich selbst outete.

Während Felt im Schatten agierte, gab sich wenige Jahre zuvor Daniel Ellsberg als Quelle der „Pentagon-Papiere“ zu erkennen, jener geheimen Dokumente, die der amerikanischen Öffentlichkeit düstere Seiten der Kriegsführung in Vietnam vor Augen führten und möglicherweise das Ende des Krieges beschleunigten. Er stand vor Gericht, wurde aber schließlich freigesprochen - unter anderem weil die Behörden ihn illegal bespitzelt hatten.

Der heute 82-jährige Ellsberg, dem seinerzeit bis zu 115 Jahre Gefängnis drohten, stärkte Snowden mit Blick auf dessen Flucht ausdrücklich den Rücken: „Das Amerika, in dem ich geblieben bin, war ein anderes Land.“ Snowden wäre heute wie der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning für Jahre in einer Gefängniszelle verschwunden.

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Von Doppelagenten und Whistleblowerm

Kommentare zu " Snowdens Vorgänger: Das Schicksal der Geheimnisverräter"

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  • Ich habe nachprüfbare Informationen eingebracht und frage mich, was daran problematisch ist. Wenn Sie weiterhin an den Weihnachtsmann glauben wollen, wird niemand Sie daran hindern können. Ob das eine Stärke ist, halte ich zumindest für fraglich.

  • Das Schicksal ist, dass sie einerseits Lob ausgesprochen bekommen, Bundespräsident Hr. Gauck: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nsa-abhoeraffaere-gauck-lobt-snowden-fuer-dessen-enthuellungen/8552906.html

    ... sogar Friedensnobelpreise - zu Recht - nicht im Vorfeld, wie Mr. Change, erhalten: http://www.shortnews.de/id/1039922/us-gefreiter-bradley-manning-erhaelt-friedenspreis

    ... aber weder Domonstrationen das Interesse der Bevölkerung wecken ( http://demonstrare.de 27.03.2013 - in zahlreichen Städten, vermutlich Teilnahme fast wie in den USA )

    ... noch Politiker sich für die Fakten interessieren - sie "müssen" das veröffentlichen, was die Whistleblower aufgedeckt haben.

    Wann kommt "Change" in Deutschland?

  • ja genau und Obama ist ein Illuminat. Was mich aber am meisten verwundert ist, welche Leute alles das Handelsblatt lesen. Hat die BILD heute nichts interessantes gehabt?

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