São Paulo : Eine Stadt auf dem Trockenen

São Paulo
Eine Stadt auf dem Trockenen

São Paulo steht vor der Katastrophe. Denn der Stadt geht das Wasser aus. Politiker wissen das seit Monaten, passiert ist nichts. Wenn nicht ein Wunder geschieht, hält die Wirtschaftsmetropole nur noch bis Mai durch.
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São PauloEr garantiere, dass São Paulo in absehbarer Zeit keine Probleme bei der Wasserversorgung haben werde, erklärte Geraldo Alckmin, der im Oktober wiedergewählte Gouverneur des Bundesstaats bei jedem seiner Auftritte. Auch noch nach dem Wahltermin.

Das Wort „Rationierung“ steht für seine Staatsangestellten bislang auf dem Index. Das hat sich seit Wochenbeginn geändert. Bei Temperaturen von über 35 Grad und in Anwesenheit von Alckmin nutzte Paulo Massato, Direktor des staatlichen Wasserversorgers Sabesp die Einweihung eines Kanals am Montag dieser Woche, um Klartext zu sprechen.

Mit knappen Worten kündigte er nichts anderes an als die bevorstehende Katastrophe: „Wenn es nicht bald mehr regnet, werden wir beginnen müssen, fünf Tage die Woche die Wasserzufuhr zu stoppen – für die ganze Stadt, nicht einzelne Bezirke“, erklärte. „Uns bleibt keine Alternative, als diese drastischen Maßnahmen einzuführen – die Reservoire sind fast leer.“ Gouverneur Alckmin wollte die Ankündigung nicht kommentieren.

Doch die Wasserreserven im nördlich der Stadt in den Bergen gelegenen Stausee- und Flusssystem Cantareira sind bis auf fünf Prozent geschrumpft. Täglich pumpt der Wasserversorger doppelt so viel Wasser in die 12-Millonen-Einwohnermetropole, wie in das Reservoir durch Regen oder Flüsse einfließt. Bleibt es bei den weiterhin unterdurchschnittlichen Regenfällen, dann ist bei gleichbleibendem Konsum im Mai Schluss.

Das Groteske an der angekündigten Katastrophe ist: Die Behörden steuern seit Monaten darauf zu – tun aber nichts. Schon Mai des vergangenen Jahres wurde die sogenannte erste „technische Reserve“ des Cantareira-Systems angezapft. Das ist das Grundwasser, das mit großem technischem und finanziellem Aufwand in die Stauseen heraufgepumpt werden muss.

Inzwischen wird bereits die zweite Reserve aufgebraucht. Die dritte und die vierte Reserve sind mehr Schlamm als Grundwasser. Doch die Regierung wartete – mitten im Wahlkampf – ab. Sie hoffte auf die Sommerregen ab November. Doch die fielen 2014 nur halb so stark aus wie im historischen Durchschnitt. Auch bei den seit Jahren angekündigten Erweiterungsarbeiten für die Stauseesysteme hat sich bisher nicht viel getan.

Doch trotz des Notstandes, der sich seit einem Jahr abzeichnet, gibt es bis auf die Ankündigung des Direktors bisher kein offizielles Rationierungsprogramm. Man werde in den nächsten Tagen darüber nachdenken, wie Krankenhäuser, Gefängnisse und Behörden von den Rationierungen ausgenommen werden könnten, erklärte der neue Chef des Wasserversorgers Sabesp. Auch Anreize oder Strafen, um weniger Wasser zu verwenden, wurden nur halbherzig verhängt.

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