Solidaritätsrufe

Mahnende Worte aus Luxemburg

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn fordert mehr Solidarität von den Deutschen. Ein Deutschland, das glaubt, ohne den Euro besser dazustehen, hält er für „extrem gefährlich“.
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Jean Asselborn ist Luxemburgs Außenminister. Quelle: AFP

Jean Asselborn ist Luxemburgs Außenminister.

(Foto: AFP)

BerlinLuxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat eindringlich an Deutschland appelliert, sich in der Eurokrise solidarisch zu zeigen und die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu unterstützen. Zugleich warnte er den großen Nachbarn am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“ vor einer Isolierung in Europa. Damit wandte er sich gegen Warnungen in Deutschland vor einem politisch unkontrollierten Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB.

Auf die Frage nach der Notwendigkeit, dass der Rettungsschirm ESM unbegrenzt Kredite bei der EZB aufnehmen kann, sagte Asselborn: „Es heißt nicht Geld ohne Limit und ohne Bedingungen zu bekommen. Aber wir müssen ein Instrument entwickeln, das effektiv die Spekulation unterbindet. Wenn wir das nicht schaffen und wenn wir auch nicht umgesetzt bekommen und wieder zerreden die Entscheidungen, die vom letzten Gipfel getroffen wurden, dann geht das schief.“

Asselborn fügte hinzu: „So einfach ist das ja nicht, dass nur die Interessen des deutschen Steuerzahlers zu beachten sind.“ Wichtig sei, „dass Vertrauen kommen muss in die Position der Europäischen Zentralbank und dass man das nicht zerreden und zertreten soll, sonst schadet Deutschland sich selbst. Und den Europäern ist nicht geholfen.“

„Ich will kein Deutschland haben als europäischer Bürger, vor dem man Angst haben muss, von dem man befürchtet, dass es sich isolieren könnte“, mahnte Asselborn. „Wenn in Deutschland der Gedanke aufkommt, dass man es besser hat ohne Euro und besser hat ohne Europa (...) und nur gibt und nichts bekommt, dann ist das extrem gefährlich.“

  • dpa
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26 Kommentare zu "Solidaritätsrufe: Luxemburgs Außenminister mahnt Deutschland"

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  • Die luxemburgische KBL ist offenbar schon in Schwierigkeiten. Als Retter ist Katar eingestiegen.

  • Ist m.E. Nicht ganz korrekt, was Sie da schreiben.

    Der Euro ist schon in Ordnung. Der Euro ist aber deshalb nicht in Ordnung, weil er Euro heißt sondern, weil man einen Euro daraus gemacht hat.

    Wenn also unsere Politiker einen falschen Euro daraus gemacht haben, muss man aus dem Verbund austreten und einen Euro schaffen wie er von den Gründern gedacht war. Nicht Griechenland, nicht Spanien, nicht Italien müssen raus, wir müssen raus um die Ankerwährung zu bilden.

    Die Sicherung des Euros fängt da an, wo die Praktikanten, die Finanzpolitik Spielen wieder zurück in den Kindergarten geschickt werden.

  • Waren sie schon immer?

    Wenn ich Ihren Beitrag lese und tatsächlich Ernsthaftigkeit hinein interpretiere, komme ich zu dem Schluss, dass es nicht nur die Politiker sind.

  • In gewissen Ländern Europas tut man so, als ob die Euroskepsis vieler Deutschen eine Art Dammhinbruch hin zu zukünftigen Krisen oder gar Kriegen darstelle. Das Gegenteil ist der Fall. Der Euro ist verfrüht eingeführt worden und spaltet nun die Völker Europas. Ich habe lange geglaubt mit resolutem, umsichtigen Poltikerhandeln den Euro noch retten zu können. Das Problem aber ist: Vielen Südeuropäern fehlt die ehrbare Gesinnung um mit gutgemeinten und gutvorbereiteten Plänen den Euro noch retten zu können. In Griechenland ist man zu selbstgefällig, um die 50 Milliarden Steuerschulden jährlich der Reichen einzutreiben, obwohl diese Griechenlands Rettung wäre. In Spanien, Italien und Zypern regieren auch Korruption und fehlende Bereitschaft der einkommensmäßigen Oberschichten für die Eurorettung staatsbürgerliches Pflichtgefühl zu zeigen. Mit solch unzuverlässigen (Südeuropa)-Truppen ist selbst mit der besten Schlachtstrategie der Kampf um das Überleben des Euro nicht gewinnbar. Schade aber nichts destotrotz bittere Realität.

  • Auch wenn ich Ihren Unmut verstehe und teile, tut Deutschland gut daran sich sowohl den Schneeballsystem- und Steuroasenbetreibern und ihren eigennützigen Pseudo-Argumenten mit aller Macht entgegen zu stellen aber dies auch mit aller Gelassenheit. Größenwahn a la "wir brauchen niemanden" hat uns schon einmal in die Sackgasse geführt und ist sachlich falsch. Wir brauchen definitiv Freunde und Verbündete. Diese Form der Selbstisolierung ist auch gar nicht notwendig bei der Hirnrissigkeit der Argumente von Asselborn und der ganzen Finanzbetrugssystemsprechpuppenbande. Es wäre ein fataler Fehler, wenn wir die Isolierung mit der sie uns drohen auch noch selbst umsetzen würden, statt auf die Amoral und Perfidie dieser Drohung hinzuweisen.

  • Die Gagfah SA hat ihren Sitz in Luxemburg.

    Über Tochtergesellschaften bewirtschaftet sie etwas einhundertvierzigtausend Wohnungen in Deutschland.

    Die Gewinne dieser Tochtergesellschften werden als sogenannte Zinsen für Kredite steuerfrei an die Muttergesellschaft in Luxemburg verschoben.

    Die Gagfah SA ist in Luxemburg als "Verbriefungsgesellschaft" registriert.

    Das heißt, sie unterliegt ebenfalls keiner nenneswerten Gewinnbesteuerung, und kann die Gewinne aus ihrem deutschen Vermietungsgeschäft steuerfrei in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre weiterreichen.

    Wenn die Aktionäre dann noch einen geeigneten Wohnsitz haben, können sie die Gewinne aus Wohnungsvermietung in Deutschland ebenfalls steuerfrei kassieren.

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    So spielt Luxemburg eine wichtige Rolle im internationalen Spiel der Steuervermeidung.

    Die vielleicht 'mal näherer Aufmerksamkeit wert wäre.

    Insbesondere, wenn sich Typen wie Juncker und Asselborn auf die Seite der Ausbeuter Deutschlands schlagen.

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    An Lächerlichkeit ist die Drohung mit einer "Isolierung Deutschlands" nicht mehr zu überbieten.

    Die Welt ist groß, und Schmarotzer brauchen wir nicht als Partner.

    Und Steuervermeidungszwerge schon gar nicht.

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    Wenn unserer "Partner" nicht ziemlich blitzartig eine steile Lernkurve fahren, dann ist auch ein EU-Austritt Deutschlands nicht mehr von der Hand zu weisen.

  • "Wichtig sei, „dass Vertrauen kommen muss in die Position der Europäischen Zentralbank"

    Alles klar, und das Vertrauen kommt indem die EZB ungedecktes Geld ohne Limit druckt. Kredit bedeutet Vertrauen und wenn man Kredite ausreicht denen keine ausreichenden gegenweret/Sicherheitren sondern nur heiße Luft gegenüber steht, zerstört das langfristig Vertrauen und ist die Ursache der Kreditkrise auch wenn es kurzfristig den wahren Spekulanten hilft, die Folgen ihrer Fehlspekulation nicht selbst tragen zu müssen und in diesem Sinne Vertrauen schafft.

    Auch Asselborns Gerede von Solidarität ist eine Uverschämtheit! Sie enthält den impliziten Vorwurf sich unsolidarisch zu verhalten, in dem sich Deutschland weigert, diejenigen, die sich bei den ClubMed-Staatsanleihen verspekuliert haben, mit der Altersvorsorge seiner Bürger herauszuhauen. Die euphemistische Doppelzüngigkeit der europäischen Finanzeliten und ihrer Politsprechpuppen ist an Hintehältigkeit nicht mehr zu überbieten.

  • Zum ersten Mal in meinem Leben vernehme ich die Stimme eines Luxemburgischen Außenministers, und was hat er zu Meckern, alt bekanntes, also nicht hilfreich.
    Es wäre besser gewesen er hätte doch lieber geschwiegen.

  • Man ist entsetzt was diese Vertreter der Geldwäschefabrik Luxemburg Juncker und Asselborn so von sich geben. Wenn solche Menschen Europa vertreten, beschleicht einen die nackte Angst. Wer schüttet denn seit Jahren das Füllhorn über
    Europa aus, während es sich dieser Zwergenstaat von Steuerhinterziehungen aus Europa gut gehen läßt.

  • Es freut mich, daß die Sklavenhalter Angst vor ihren Sklaven bekommen. Das ist eine völlig natürliche Reaktion, für die sich Herr Asselborn nicht schämen muß.

    Es sieht nämlich, positiv gewendet, so aus, daß wir, mit dem Fall des Euros, aus der Knechtschaft herauskommen. Und dann muß man auch in Luxemburg und in Brüssel wieder arbeiten.

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