Solidarnosc-Festakt
Köhlers Geschichtsstunde in Danzig

Große Heiterkeit erntet Bundespräsident Horst Köhler, als er an den riesigen Kugelschreiber erinnert, mit dem Lech Walesa am 31. August 1980 seine Unterschrift unter die Zulassung der Gewerkschaft „Solidarnosc“ setzte.

WARSCHAU. „Ich kann mich sehr gut an die Fernsehbilder von damals erinnern“, sagt der Bundespräsident zu Walesa. 33 Zentimeter war der Stift aus Plastik lang, ein Bildnis des Papstes zierte ihn. Ein polnisches Spaßprodukt sozusagen, benutzt für eine ernste Sache: Die vor 25 Jahren gegründete „Solidarnosc“ war die erste freie Arbeitnehmervertretung im kommunistischen Ostblock. 1981 wurde sie verboten und erst 1989 wieder zugelassen.

Im Rahmen seines dreitägigen Polenbesuches sprach Köhler gestern auf einer Gedenkveranstaltung in der Danziger Philharmonie, an der auch die Präsidenten Polens, Ungarns, Serbiens, Georgiens und der Ukraine teilnahmen. Unter den Gästen sind Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, EU-Kommissionspräsident José Barroso sowie der persönliche Vertreter von US-Präsident Bush, der frühere US-Außenminister James Baker.

Die Rede des Bundespräsidenten wirkt wie ein Ausflug in die jüngere Geschichte. „Die polnische Protestbewegung war eine wichtige Voraussetzung für den späteren Fall der Berliner Mauer und den Zusammenbruch des Kommunismus“, sagt der Bundespräsident anerkennend. Ebenso erinnert er an den deutschen Überfall auf Polen, mit dem am 1. September 1939, heute vor 66 Jahren, der Zweite Weltkrieg begonnen hatte.

Starken Beifall erhält Köhler, als er versichert, die Deutschen seien sich ihrer Verantwortung für die damaligen Verbrechen bewusst. „Niemand in Deutschland will die Geschichte umschreiben“, so der Bundespräsident.

Bereits am Dienstag hatten Köhler und sein polnischer Amtskollege Aleksander Kwasniewski den Grundstein für eine neue deutsche Botschaft in Warschau gelegt. Die Zeremonie wirkte wie ein Symbol für die Zukunftsträchtigkeit der deutsch-polnischen Beziehungen. Amüsiert beobachteten die Anwesenden, wie Köhler und Kwasniewski mit Kelle und Mörtel hantierten und die Gründungsurkunde für die Botschaft versenkten. „Sie haben das wirklich fachmännisch erledigt“, sagte der Polier der Baustelle anschließend zu den beiden Staatsoberhäuptern.

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