Somalia
Die Angst vor einem Flächenbrand

Nach dem Rückzug der Islamisten aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu hoffen die gestürzte Übergangsregierung und ihre äthiopischen Verbündeten auf eine Stabilisierung der Situation. Doch der Krieg mit den Islamisten dürfte damit nicht beendet sein. Deren Anführer haben angedeutet, künftig verstärkt zu Selbstmordanschlägen überzugehen.

ink/wd BERLIN/MOGADISCHU/KAPSTADT. Die äthiopische Führung hatte sich zur Unterstützung der gestürzten Übergangsregierung Somalias entschlossen, weil sie Sorge vor einem Vormarsch radikaler Islamisten (UIC) auch unter der somalischen Minderheit im eigenen Land hat. Das mit Äthiopien verfeindete Eritrea wiederum sorgt sich vor einer regionalen Vormachtstellung des Nachbarn und hat die Islamisten mit Waffen versorgt. Aber auch eine Reihe arabischer Staaten wie Libyen, Saudi-Arabien und Iran stützt offenbar die UIC in Somalia und hat das gegen sie verhängte Waffenembargo unterlaufen.

Etliche Aufrufe zum Waffenstillstand und zum Rückzug ausländischer Truppen verhallten in den vergangenen Tagen. Der Uno-Sicherheitsrat konnte sich bisher nicht einmal auf einen Aufruf zu einem sofortigen Waffenstillstand in Somalia einigen. Die Erklärung war an unterschiedlichen Standpunkten zu den ausländischen Truppen in Somalia gescheitert. So verlangte der arabische Golfstaat Katar den sofortigen Abzug der äthiopischen Soldaten. Die anderen 14 Sicherheitsratsmitglieder wollten nach Diplomatenangaben aber auch den Hinweis auf andere ausländische Truppen und anderer ausländischer.

Am Mittwoch hatten die Afrikanische Union (AU) und die Arabische Liga das christlich geprägte Äthiopien zum unverzüglichen Abzug seiner Truppen aus Somalia aufgefordert. In der Erklärung wurden aber auch „ausländische Elemente“ zum Verlassen des Landes am Horn von Afrika aufgefordert, ohne diese konkret zu benennen. Nach Angaben aus US-Sicherheitskreisen strömen zurzeit Kämpfer aus anderen muslimischen Staaten über die löchrige Grenze von Somalia, um dem Aufruf der UIC zu einem heiligen Krieg gegen das christliche geprägte Äthiopien Folge zu leisten.

Vor allem die USA zögern deshalb mit einer alleinigen Verurteilung Äthiopiens. Denn Washington hat wenig Zweifel daran gelassen, dass es einen Sturz der Islamisten in Mogadischu begrüßt. Die US-Regierung wirft ihnen vor, in Somalia auch el-Kaida-Terroristen zu beherbergen. Somalia drohe zu einem Rückzugsgebiet für gewaltbereite muslimische Extremisten zu werden. Als Warnung dienen den Amerikanern die verheerenden Anschläge auf ihre Botschaften in Kenia und Tansania im Jahre 1998, in die Somalis verstrickt waren.

Die Islamisten hatten in den vergangenen Monaten erheblich an Unterstützung gewonnen, weil sie die in der Bevölkerung verhassten Warlords aus Mogadischu vertrieben und dort erste Ansätze eines Staatssystems etabliert haben. Dabei gibt es unter EU-Diplomaten unterschiedliche Einschätzungen, wie radikal die eingerichteten „islamischen Gerichte“ wirklich sind. Nur zwei der zwölf gelten als militant.

Deshalb gibt es unter EU-Diplomaten die Sorge, dass das jetzige militärische Eingreifen Äthiopiens die Radikalisierung der islamistischen Bewegung in Somalia eher noch befördert.

Den Islamisten war es erstmals mittels harter Gesetze gelungen, ein gewisses Maß an Ordnung in dem Land zu stiften. Allerdings besteht ihr Ziel offenbar auch darin, ein Groß-Somalia zu errichten, das die von den früheren Kolonialherren in der Region gezogenen Grenzen nicht anerkennt und damit vor allem für Äthiopien mit seiner mehrheitlich von ethnischen Somalis besiedelten Ostprovinz Ogaden Gefahren birgt. Zwischen 1960 und 1978 haben beide Länder bereits drei Kriege um das umstrittene Gebiet geführt. Daneben wird auch der Norden Kenias von den somalischen Islamisten beansprucht.

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