Somalia
Hungerkatastrophe weitet sich aus

Zwei Regionen in Somalia sind von der UN zu Hungergebieten erklärt worden. Die Welternährungsorganisation spricht bei der schlimmsten Hungersnot seit 60 Jahren spricht von über elf Millionen Hungernden.
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NairobiDie Hungerkatastrophe am Horn von Afrika nimmt entsetzliche Ausmaße an. Wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren hungern nach Vereinten Nationen (UN) inzwischen mehr als elf Millionen Menschen. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) in Rom erklärte am Mittwoch die dramatische Lage in der gesamten Region offiziell zur Hungersnot. Die Experten rechnen mittlerweile mit einer der größten Hilfsaktionen in der Geschichte der Vereinten Nationen. Internationale Hilfe sei dringend notwendig.

Der für die humanitäre UN-Hilfe in Somalia zuständige Mark Bowden sagte, die Gebiete Bakool und Lower Shabelle seien am schwersten von der Hungersnot betroffen, der schlimmsten seit 20 Jahren in der Region. Bowden zufolge liegt die Sterblichkeitsrate in Teilen Südsomalias bereits bei sechs Menschen auf 10.000 Einwohner. „Die Menschen sind nicht mehr in der Lage, Lebensmittel zu finden.“ Die Katastrophe könnte sich auf alle acht Regionen im Süden Somalias ausdehnen. Bowden warnte eindringlich, jeder Tag Verzögerung bei der Hilfe für Somalia entscheide über Leben und Tod für die Kinder und deren Familien in den Hungergebieten. Die UN brauchten in den nächsten zwei Monaten allein für Somalia 300 Millionen Dollar für die Nothilfe. Mehr als die Hälfte der etwa 3,7 Millionen Somalier seien von der Hungersnot betroffen

Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms (WFP) sind insgesamt sogar 11,3 Millionen Menschen in Somalia und den Nachbarländern auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Das WFP begrüßte, dass die lokalen Machthaber im südlichen Somalia jetzt bereit seien, wieder über den Zugang für Helfer in die von der Hungersnot betroffene Region zu verhandeln. Das WFP will angereicherte Energiekekse und Nahrungs-Zusatzprodukte für gefährdete Kinder und schwangere und stillende Mütter auf dem Luftweg zu strategischen Punkten im Süden Somalias transportieren, wo diese von Nichtregierungsorganisationen verteilt werden.

WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran mahnte zugleich: „Die Operationen in Somalia sind die am riskantesten weltweit. Seit 2008 hat das WFP dort bereits 14 Mitarbeiter verloren.“ Das WFP und andere humanitäre Organisationen konnten seit Anfang 2010 aus Sicherheitsgründen nicht mehr im Süden Somalias tätig sein. Dies hat die Möglichkeiten der UN eingeschränkt, angemessen auf die Ernährungsbedürfnisse vor Ort zu reagieren.

Ursache der Hungersnot ist eine seit Jahren anhaltende Dürre, die auch einige Gebiete Kenias und Äthiopiens betrifft. Lokale Konflikte erschwerten zudem sehr die Arbeit von Hilfsorganisationen, erklärten die UN.

Den Süden Somalias kontrolliert die islamistische Al-Schabaab, die enge Kontakte zur Al-Kaida haben soll. Sie kämpft gegen die vom Westen unterstützte, aber wenig einflussreiche Regierung Somalias. Al-Schabaab kontrolliert auch Teile der Hauptstadt Mogadischu und der zentralen Region Somalias.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Somalia: Hungerkatastrophe weitet sich aus"

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  • Anscheinend beim erstem Mal nicht Funktioniert^^


    @ skyjumper

    In gewisser Weise kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen allerdings stellt sich hier die Frage - wer hat denn den Schlamassel auf der Welt wirklich verursacht?

    Das waren wir Europäer.

    Bevor die Europäer sich auf der Welt vor nicht allzu langer Zeit ausgebreitet haben waren knapp 70-80% der Erde funktionierende Ökosysteme. Erst durch die Industrialisierung und damit verbundene Kollonialisierung sind die Ökosysteme ins straucheln gekommen. Die dadurch entstandene Bevölkerungsexplosion haben unsere Vorväter zu verantworten - nicht die Afrikaner, Indianer ect.

    Und nun stellen Sie sich hier hin und sagen - lasst sie sterben? Ich finde das armselig sich so einfach aus der Verantwortung zu ziehen.

    Wir haben 70-80% der Welt ausgebeutet (und tun es immer noch), wissentlich in Verarmung getrieben und nun stellen Sie sich hin uns sagen - selbst Schuld - Seht zu wie ihr damit fertig werdet. Ist das nicht ein bisschen zu einfach gedacht?

    Ich weiß - natürliche Auslese... der Stärkere geewinnt und so... aber dann dürfte man im eigenen Land auch niemandem helfen^^ Also schaffen wir Hartz 4 ab und sehen zu wie 3 Millionen auf deutschen Strassen verrecken, oder wie? Man, man, man...wie engstirnig menschen doch denken können...

  • Skyjumper, so zynisch kann nur jemand sein, der weder eigene Kinder hat noch Respekt vor dem Lebendigen besitzt. Einfach ekelhaft!

  • Wir verbrennen Lebensmittel und eine Ethikkommission unterstützt dieses noch damit wir aus der Kernkraft aussteigen! Verlogene, unmoralische Politik!

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