Somalia
Krieger im Hintergrund

Die Kampfhandlungen in Somalia halten an. Trotz mehrstündiger Beratungen hat sich der UN-Sicherheitsrat in New York am Dienstag nicht auf einen Aufruf zu einer sofortigen Waffenruhe in Somalia einigen können. Vordergründig bekämpfen sich dort die wenig populäre Übergangsregierung und eine islamistische Rebellenbewegung. Doch die Strippen in dem Konflikt ziehen andere.

HB NEW YORK/ADDIS ABEBA/NAIROBI. Diplomaten zufolge war das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen (UN) zu gespalten und vertagte sich auf Mittwoch. Katar habe als einziges der 15 Ratsmitglieder darauf bestanden, dass in dem Text auch ein sofortiger Abzug aller ausländischen Truppen aus dem nordostafrikanischen Land gefordert werde. Damit seien insbesondere die äthiopischen Streitkräfte gemeint.

Die übrigen Staaten dagegen befürworten den Angaben nach einen Entwurf, in dem der Rückzug aller „unautorisierten“ Truppen angemahnt wird. Mit dieser Formulierung blieben die Soldaten aus Äthiopien unberührt, da sie sich auf den Wunsch der somalischen Übergangsregierung in dem Land aufhielten, hieß es.

Der UN-Sondergesandte für das Kriegsland, Francois Lonseny Fall, hatte an den Sicherheitsrat appelliert, eine politische Lösung des Konflikts zu erreichen. Ansonsten drohten schwerwiegende Konsequenzen für die gesamte Region. Die Krisensitzung wurde einberufen, nachdem Äthiopien in den Bürgerkrieg eingegriffen hatte.

Vordergründig bekämpfen sich in Somalia zwei Gruppen: Auf der einen Seite steht die schwache und wenig populäre somalische Übergangsregierung, die in dem kleinen Ort Baidoa nahe der äthiopischen Grenze residiert und international als offizielle Regierung des Landes anerkannt wird. Auf der anderen Seite steht die Rebellenbewegung Union der islamischen Gerichte (UIC), die Somalias Hauptstadt Mogadischu beherrscht und in den letzten Monaten immer neue Gebiete des Landes unter ihre Kontrolle bringen konnte. Die Islamisten haben an Unterstützung gewonnen, nachdem sie die verhassten Warlords aus Mogadischu vertrieben und dort erste Ansätze eines Staatssystems etabliert haben.

USA wollen die Macht der Islamisten in Somlia begrenzen

Hinter dem Konflikt zwischen der Übergangsregierung und der UIC steht eine Reihe auswertiger Parteien. So wird die zerstrittene Übergangsregierung in Baidoa nicht nur von der Uno, sondern auch dem militärisch starken Nachbarn Äthiopien gestützt. Hinter Äthiopien stehen wiederum die USA, die ihrerseits die Macht der Islamisten am Horn von Afrika begrenzen und diese an den Verhandlungstisch zwingen wollen.

Die USA fürchten, dass Somalia zu einem Rückzugsgebiet für gewaltbereite muslimische Extremisten werden könnte. Als Warnung dienen den Amerikanern die verheerenden Anschläge auf ihre Botschaften in Kenia und Tansania im Jahre 1998, in die Somalis verstrickt waren. Ein Indiz für den zunehmenden Einfluss der Islamisten in der Region sind zudem zwei Selbstmordanschläge auf die Übergangsregierung in Baidoa in jüngster Zeit – ein Phänomen, das in Somalia bislang unbekannt war. Nach Angaben aus amerikanischen Sicherheitskreisen strömen zurzeit Kämpfer aus anderen muslimischen Staaten über die löchrige Grenze von Somalia, um dem Aufruf der UIC zu einem heiligen Krieg gegen das christliche und von Amerika unterstützte Äthiopien Folge zu leisten.

Die Islamisten in Somalia, die sich seit Juni bis zum Eingreifen des Nachbarlandes auf dem Vormarsch befanden, können ihrerseits auf die direkte materielle Unterstützung von Äthiopiens Erzfeind Eritrea zählen. Zwischen beiden Ländern tobte jahrelang ein blutiger Grenzkrieg, der ihr Verhältnis dauerhaft vergiftet hat. Aber auch eine Reihe arabischer Staaten wie Libyen, Saudi-Arabien und Iran stützt offenbar die UIC in Somalia und hat das gegen sie verhängte Waffenembargo systematisch unterlaufen.

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